"Lohn ihnen Gott," sprach Siegfried; "ich versah zu ihnen wohl 771
Mich aller Lieb und Treue, wie man zu Freunden soll.
So thut auch ihre Schwester; ihr sollt uns ferner sagen,
Ob unsre lieben Freunde hohen Muth daheim noch tragen.

"Hat ihnen, seit wir schieden, Jemand ein Leid gethan 772
Meiner Fraue Brüdern? Das saget mir an.
Ich wollt es ihnen immer mit Treue helfen tragen,
Bis ihre Widersacher meine Dienste müsten beklagen."

Antwort gab der Markgraf Gere, ein Ritter gut: 773
"Sie sind in allen Züchten mit Freuden wohlgemuth.
Sie laden euch zum Rheine zu einer Lustbarkeit
Sie sähn euch gar gerne, daß ihr des außer Zweifel seid.

"Sie bitten meine Fraue auch mit euch zu kommen. 774
Wenn nun der Winter ein Ende hat genommen,
Vor dieser Sonnenwende da möchten sie euch sehn."
Da sprach der starke Siegfried: "Das könnte schwerlich geschehn."

Da sprach wieder Gere von Burgundenland: 775
"Eure Mutter Ute hat euch sehr gemahnt
Mit Gernot und Geiselher, ihr sollt es nicht versagen.
Daß ihr so ferne wohnet, hör ich sie täglich beklagen.

"Brunhild meine Herrin und ihre Mägdelein 776
Freuen sich der Kunde, und könnt es jemals sein,
Daß sie euch wiedersähen, ihnen schuf es hohen Muth."
Da dauchten diese Mären die schöne Kriemhilde gut.

Gere war ihr Vetter: der Wirth ihn sitzen hieß; 777
Den Gästen hieß er schenken, nicht länger man das ließ.
Da kam dazu auch Siegmund: als der die Boten sah,
Freundlich sprach der König zu den Burgunden da:

"Willkommen uns, ihr Recken in König Gunthers Lehn. 778
Da sich Kriemhilden zum Weibe hat ersehn
Mein Sohn Siegfried, man sollt euch öfter schaun
In diesem Lande, dürften wir bei euch auf Freundschaft vertraun.

Sie sprachen: Wenn er wolle, sie würden gerne kommen. 779
Ihnen ward mit Freuden die Müdigkeit benommen.
Man hieß die Boten sitzen; Speise man ihnen trug:
Deren schuf da Siegfried den lieben Gästen genug.

Sie musten da verweilen volle neun Tage. 780
Darob erhoben endlich die schnellen Ritter Klage,
Daß sie nicht wieder reiten durften in ihr Land.
Da hatt auch König Siegfried zu seinen Freunden gesandt: