MAn erzählt, daß einmal ein Mann in Konstantinopel zum Kadi von Jerusalem bestimmt worden ist. Er traf ein Übereinkommen mit einem Schiffsherrn und bestieg mit seinem ganzen Gefolge das Schiff. Eben wollte man die Anker lichten und in die See stechen, als ein Jude daherkam und an Bord ging; er brachte zwei Körbe mit, die dem Anscheine nach nichts sonst als Kleider enthielten, und bat den Kadi, sie mitzunehmen. Der Kadi hieß den Juden, sie einem aus seinem Gefolge, der dabeistand, zu übergeben. Als sich der Jude entfernt hatte, sah der andere, daß in den Körben eine Menge Pasterma[94] war, und schnitt sich sofort ein Stück ab; da er es nach seinem Geschmacke fand, versäumte er nicht, auf der ganzen Reise davon zu essen, so daß schließlich, als sie im Hafen von Jaffa ankamen, nicht ein Stückchen davon mehr da war. Alle Reisenden stiegen aus und gelangten glücklich nach Jerusalem.
Der Diener des Kadis machte sich zwar Vorwürfe, daß er das Pasterma des Juden gegessen hatte, tröstete sich aber damit, daß er sich vornahm, ihn auf die eine oder die andere Weise schadlos zu halten. Unterdessen kam schon der Jude herbei, und er sagte zu ihm: »Du, ich muß mit dir reden; mir ist etwas ärgerliches zugestoßen, das dich gewissermaßen angeht: mit einem Wort, ich habe das Pasterma gegessen, das in deinen Körben war. Sag mir, welchen Preis du dafür haben willst oder wie wir uns sonst auseinandersetzen sollen.«
Bei dieser Rede begann der Jude zu wimmern und sich den Bart zu raufen; alsbald versammelte sich eine Menge Leute um sie und man fragte den Juden: »Was gibt es denn, Jude?«
Für einen Augenblick hörte der Jude auf zu weinen, sich den Bart zu raufen und zu heulen, freilich ohne daß er etwas gesagt hätte; sofort aber begann er sich wieder auf den Kopf zu schlagen und den Bart zu raufen. Dann stieß er einen Schrei aus, packte den andern beim Kragen und schleppte ihn vor den Richter.
Der fragte seinen Diener: »Was hast du dem Menschen da genommen?«
Der Diener antwortete: »Gnädiger Herr, der Jude ist mit uns zu Schiffe gestiegen; er hatte eine gewisse Menge Pasterma bei sich. Davon habe ich jeden Tag etwas gegessen, so daß bei unserer Ankunft in Jaffa nichts mehr da war. Ich habe ihm die Sache erklärt und habe ihm zur Entschädigung Geld geboten; aber anstatt meinen Vorschlag anzunehmen, rauft er sich Haare und Bart aus und hängt mir einen Rechtshandel an.«
Nun sagte der Richter: »Sprich, Jude, was beanspruchst du?«
»Gnädiger Herr,« sagte der Jude, »der Mann hat mir in dem, was auf dem Schiffe war, einen unersetzlichen Schaden zugefügt.«
»Weiter,« sagte der Kadi, »damit wir sehn, worum es sich handelt.«