»Das ist eine Lüge,« antwortete Akinedschi; »meine Mutter ist ja nicht die deinige.«

[195.]

EInmal hörte einer predigen: »Wenn man bei Einbruch der Nacht seine eheliche Pflicht erfüllt, so wird das belohnt werden wie die Opferung eines Schafes. Geschieht es bei Tage, so wird es so viel gelten wie die Freilassung eines Sklaven. Und um Mitternacht wird es belohnt werden wie die Opferung eines Kamels.«

Der Zuhörer erzählte diese Rede, als er heimgekommen war, seiner Frau. Die Nacht kam und sie legten sich mitsammen nieder, und schon fühlte sich die Frau vom Verlangen gepackt. »Komm,« sagte sie zu ihrem Manne, »wir wollen den Lohn gewinnen, der für den Beginn der Nacht festgesetzt ist.« »Meinetwegen,« sagte der Mann; und er befriedigte sie.

Um Mitternacht fühlte sie sich wieder aufgelegt und sagte zum Manne: »Wach auf, Mann, damit wir den Vorteil der Opferung eines Kamels erwerben.« Der Mann ermunterte sich und stillte ihr Begehren von neuem.

Als der Morgen anbrach, sagte sie, noch immer stark erregt: »Auf, Mann; wir wollen den Preis gewinnen, der für die Freilassung eines Sklaven gilt.«

Aber nun sagte der Mann: »Gewinne ihn dadurch, daß du zuerst mich freiläßt, der ich ja dein Sklave bin.«

[196.]

EInes Tages pflückte Mewlana Dschami[95] in seinem Garten Pfirsiche, als der Sultan Husejn Bähadur zu ihm kam, begleitet von einem Kämmerling und seinem jungen Liebling Tschokdar. In diesem Augenblicke hatte Mewlana Dschami vier Pfirsiche in der Hand; davon bot er sofort einen dem Padischah an, einen dem Kämmerling und zwei Tschokdar.

Nun sagte der Sultan: »Warum hast du uns zweien jedem nur einen Pfirsich gegeben, dem Knaben aber zwei?«