[198.]

WIeder einmal gab sich einer für einen Propheten aus; er wurde vor den Padischah geführt und der fragte ihn: »Ist es wahr, daß du Anspruch auf die Würde eines Propheten erhebst?«

»Ja,« antwortete der Narr.

»Gut,« fuhr der Sultan fort; »laß uns ein Wunder sehn.«

»Sag mir, was du wünschest.«

In diesem Augenblicke brachte ein Diener dem Herrscher ein Schloß, daß man mit elf Schlüsseln nicht hatte aufsperren können; sofort sagte der Sultan zu dem Angeklagten: »Gut; sperre uns dies Schloß ohne Schlüssel auf.«

»Habe ich mich«, sagte der Wahnwitzige, »einen Propheten genannt oder einen Schlosser?«

[199.]

MAn erzählt, daß ein Muselman, der sein ganzes Leben lang die Vorschriften Mohammeds beobachtet gehabt hat, auf einmal im Ramasan mit den Juden gegessen hat. Er sagte, er habe sich zu ihrem Glauben bekehrt; aber im Bairam sagte er zu ihnen, er sei nicht mehr ihr Glaubensgenosse. Da schrien die Juden: »Was soll das heißen? bist du nicht einer der unsern?«

»Was?« schrie der Bekehrte; »ich war dreißig Jahre im moslimischen Glauben, ohne ein richtiger Mohammedaner werden zu können, und ein Jude sollte ich werden können in dreißig Tagen? Das ist unmöglich.«