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ZU Nasreddin, dem Hodscha, kam einmal einer und bat ihn, ihn zu beherbergen. Nun herrschte beim Hodscha eine solche Dürftigkeit, daß sogar die Mäuse vor Hunger ausgerissen waren. Als die Nacht kam, richtete der Reisende an den Hodscha die Frage, wo sie sich nach dem Abendessen schlafen legen würden. Der Hodscha antwortete: »Gegessen haben wir schon, bevor du gekommen bist; willst du dich jetzt niederlegen?«

Der Fremde lag noch nicht lange, als er den Hodscha anrief und sagte: »Gib mir eine Decke; mich friert sehr.«

Nasreddin antwortete: »Habe ich denn eine, die ich dir geben könnte? es ist übrigens nicht so kalt, daß du zittern könntest.«

»Schon gut,« antwortete der Fremde, nachdem er einen Augenblick gezögert hatte.

Aber der Hodscha begann zu überlegen; schließlich sagte er: »Ich habe eine Leiter; willst du sie?«

»Bring sie meinetwegen; es liegt ja nichts daran.«

Der Hodscha brachte die Leiter und legte sie auf ihn. Aber bald sagte der Gast, dem noch immer nicht recht warm werden wollte: »Denk ein wenig nach; vielleicht hast du doch noch etwas, was du mir geben könntest.«

Nach einem Augenblicke schrie der Hodscha: »Du hast recht; ich habe noch einen Trog: was sagst du dazu?«

»Bring ihn immerhin.«