[210.]

EInes Tages gingen der Sultan Murad und Husejn Pascha, der Narr, als Derwische verkleidet, den Bosporus entlang. Als sie an einen Ort kamen, wo die Leute zu lustwandeln pflegten, bekamen sie Lust auf Kaffe. Husejn Pascha sagte: »Da wir kein Feuer haben, will ich Holz sammeln gehn.« Als er es gebracht hatte, schichtete es der Sultan auf und begann das Feuer anzufachen; da er aber zerstreut war, ließ er es zu viel brennen. Husejn Pascha bemerkte das und schrie, wie er es mit seinem Knechte getan hätte, um ihn zur Achtsamkeit zu mahnen: »Du Sklavenbengel, du Hurensohn!«, ohne zu denken, daß er damit auf die Abstammung der Sultane anspielte, die alle Kinder von Sklavinnen waren.

»Dein Glück,« sagte der Padischah, »daß du das im Scherze gesagt hast; sonst hätte ich dich getötet.«

[211.]

EIn junger Mann ohne Erfahrung hatte auf einer Reise eine kleine Auswahl chinesischen Porzellans gekauft. Im Hafen angelangt und eben im Begriffe sich auszuschiffen, faßte er den Plan, sein Porzellan wegtragen zu lassen, ohne den Träger für seine Mühe zu bezahlen. Er sagte zu einem Träger: »Was für ein Landsmann bist du?«

Der antwortete: »Ich bin ein Anatolier und aus Tasch-Köprü.«

»Aha,« dachte der junge Mann, »ein Dummkopf von einem Türken.« Und er sagte zu ihm: »Wenn du mir diesen Pack in mein Karawanserai trägst, so werde ich dir drei gute Ratschläge geben.«

»Einverstanden,« antwortete der Türke dem schlauen Gesellen. Er nahm die Last auf und trug sie in das Karawanserai; als er dort ein paar Stufen emporgestiegen war, sagte er: »Nun höre ich.«

Der andere sagte: »Wenn man dir sagt, daß der Hunger der Sättigung vorzuziehen sei, so glaube es nicht.«

»Ich verstehe,« sagte der Träger und ging wieder ein paar Stufen weiter; dann sagte er: »Was hast du mir noch zu sagen?«