»Einverstanden,« sagte der Kadi, und er erteilte seinen Dienern die entsprechenden Aufträge. Die Diener führten dem Hodscha das Maultier vor und boten es ihm an; alsbald verabschiedete er sich von dem Kadi, stieg in den Sattel und ritt heim.

Von nun an trug er stets die Kleider, den Mantel und den Turban des Kadis und ritt stets das Maultier; außerdem hat er, nach dem, was erzählt wird, das Geheimnis keinem Menschen mitgeteilt.

[237.]

MAn erzählt, daß der Hodscha einmal ein Kalb hatte; einen Tag tränkte und fütterte es seine Frau, am andern Tage er, an wen eben die Reihe kam. Nun wurde an einem Tage, wo es an der Frau war, diese Verrichtungen zu besorgen, ihnen gegenüber eine Hochzeit gefeiert, wozu man die Frau eingeladen hatte; da sagte sie zu ihrem Manne: »Wie werden wir es diesmal halten?«

Er antwortete: »Wir wollen ein Übereinkommen treffen: wer von uns zuerst ein Wort spricht, muß dem Kalbe zu trinken und zu fressen geben.«

»Einverstanden,« antwortete sie.

Nach diesem Gespräche ging der Hodscha ins Haus und seine Frau ging zur Hochzeit.

Nun hatte sich just an diesem Tage ein Zigeunertrupp vor der Stadt gelagert, und die Frauen hatten sich in den Straßen zerstreut und sahen rechts und links, ob es etwas zu stehlen gebe. Von ungefähr trat eine in das Haus des Hodschas; dort herrschte völliges Schweigen. Im Harem angelangt, sah sie den Hodscha, der durchaus stumm blieb. Augenblicklich machte sie sich daran, das Haus zu durchstöbern, las alles zusammen, was sie fand, und steckte es in ihren Sack; den Hodscha hatte sie leicht anschauen: er verharrte in seinem Schweigen. Ohne weitere Bedenken nahm sie ihm die Mütze und den Turban vom Kopfe, und er verlor darüber kein Wort; »wenn ich spreche,« sagte er sich, »muß ich das Kalb tränken.« So schenkte er denn dem Treiben der Zigeunerin nicht die geringste Aufmerksamkeit; sie benutzte das und machte sich davon.

Inzwischen wurde im Hause des jungen Paares das Mahl aufgetragen, und die Frau des Hodschas belud eine Schüssel mit Speisen, um sie dem Hodscha zu bringen. Als sie heimkam, sah sie, daß man das Haus so gründlich ausgeplündert hatte, daß nicht einmal der Turban oder die Mütze auf des Hodschas Kopf verblieben war. Da brach sie das Schweigen und sagte: »Hodscha, wohin sind denn alle unsere Sachen gekommen?«