AN einem Tage, wo der Hodscha Nasreddin predigen sollte, sagten die Gläubigen untereinander: »Wann er kommt und uns begrüßt, geben wir ihm den Gruß nicht zurück; wir wollen sehn, was er tun wird.«
Der Hodscha kam und grüßte die Gemeinde; aber niemand antwortete ihm. Da sagte er, nachdem er nach allen Seiten umhergeblickt hatte: »Wahrhaftig, ich bin ganz allein; kein Mensch ist gekommen.« Mit diesen Worten ging er weg und überließ die Versammelten ihrem Unmut über den Ausgang ihres Streiches.
ALs der Hodscha Nasreddin das erste Mal vor Tamerlan erschien, sprach dieser Eroberer bei sich: »Ich muß ihn verderben; ich will ihm Fragen stellen, und wenn er auch nur eine nicht beantwortet, lasse ich ihn töten.« Und er fragte den Hodscha: »Wer bist du?«
Der Hodscha antwortete: »Ich bin der Gott der Erde.«
Nun war Tamerlan, der ein Tatare war, von den schönsten jungen Leuten seines Volkes umgeben, die, wie es bei ihnen zutrifft, sehr kleine Augen hatten.
Tamerlan fuhr fort: »Gut also, Gott der Erde, hast du dir diese hübschen Knaben betrachtet? was sagst du zu ihnen?«
»Ich habe sie betrachtet; aber ihre kleinen Augen sind nicht hübsch.«