»Da du Gott bist,« erwiderte Timur, »so tu mir den Gefallen und mach sie größer.«
»Padischah, ich bin nur Gott der Erde, und darum kann ich nur die Augen größer machen, die sie unter dem Gürtel haben; die, die sie oben haben, die gehn den Gott des Himmels an.«
Timur freute sich herzlich über diese Antwort und erkannte, mit was für einem Schalke er es zu tun hatte: »Da du so ein lustiger Gesell bist, so schwöre ich, daß ich mich nicht mehr von dir trennen werde.«
»So sei es,« antwortete der Hodscha; »du bist der Herr.«
TAmerlan war sehr häßlich; er hatte nur ein Auge und einen eisernen Fuß. Als er nun einmal mit dem Hodscha saß und sich mit ihm unterhielt, fuhr er mit der Hand an den Kopf und ließ den Barbier rufen. Der kam augenblicklich; nachdem er ihm den Kopf geschoren hatte, reichte er ihm einen Spiegel. Timur betrachtete sich, und da er sah, wie häßlich er war, begann er zu weinen. Seinem Beispiele folgend, zerflossen auch der Hodscha und der ganze Hof in Tränen und Seufzern, und das dauerte eine oder zwei Stunden. Endlich gelang es den Hofleuten, indem sie einige hübsche Geschichten erzählten, Timur zu zerstreuen und ihn seinen Kummer vergessen zu machen, und er hörte zu weinen auf; aber der Hodscha weinte nur umso stärker. Und Timur sagte zu ihm: »Ich habe mich im Spiegel betrachtet, und da habe ich mich so abscheulich gefunden, daß ich einen schweren Kummer litt, weil ich, der Padischah, der Herr so vieler Sklaven, so häßlich sein muß; ich habe also mit vollem Rechte geweint. Aber warum weinst denn du noch zu dieser Stunde, und warum hörst du nicht auf, zu klagen?«
Der Hodscha antwortete sofort: »Du hast dich nur einmal im Spiegel gesehn, und dieser kurze Augenblick hat genügt, dich zwei Stunden lang weinen zu machen; was ist denn wunderbares dabei, wenn ich, der ich dich den ganzen Tag sehe, länger weine als du?«
Über diese Rede fiel Timur in ein unauslöschliches Gelächter.