Er traf eine Menge Leute, die singend und tanzend an ihm vorüberzogen. Kaum hatte er die bemerkt, so erhob er beide Hände und begann das Totengebet. Sie prügelten ihn ebenso, weil man eine Hochzeitsgesellschaft nicht mit diesem Gebete empfangen, sondern mit ihnen springen und tanzen solle. Auch das merkte sich der Hodscha.

Auf seinen weitern Wegen begegnete er einem Jäger, der gerade einem Hasen auf der Spur war. Er begann zu springen und zu tanzen, und verscheuchte mit diesem Lärme den Hasen. Der Jäger fiel über ihn her und prügelte ihn mit dem Gewehrkolben durch, weil er nicht auf den Fußspitzen gegangen sei, bald geduckt und bald aufrecht. Auch das merkte er sich.

Sein Weg führte ihn bei Hirten vorüber, die eine zahlreiche Schafherde vor sich hertrieben. Da duckte er sich bald, bald ging er aufrecht; darob erschraken die Schafe so, daß sie nach hundert Richtungen auseinanderliefen, und auch dafür mußte er büßen.

Vgl. dazu Bebel, I. Buch, Nr. 26 und 27 samt den I, S. 128 gegebenen Nachweisungen, hauptsächlich Boltes Noten zu Frey, Nr. 1, a, S. 212 ff., ferner Archiv für slavische Philologie, XXII, S. 309. Ähnliche Darstellungen, die wohl zu unterscheiden sind von denen, wo es sich einfach um dumme Streiche eines Sohnes oder Ehemannes handelt, sind noch: P. Sébillot, Littérature orale de la Haute-Bretagne, Paris, 1881, S. 92 ff. und 102 ff., derselbe, Littérature orale d’Auvergne, Paris, 1898, S. 84 ff., Clouston, Noodles, S. 123 ff. (auch zum folgenden), Jacobs, English Fairy Tales, S. 152 ff.: Lazy Jack, und S. 249 und Böhm, Lettische Schwänke, S. 52 ff., Nr. 32 und teilweise S. 54 ff., Nr. 33.

Oft bezieht sich der mißverstandene Befehl auf die Worte der Ansprache oder die Begrüßung, wie z. B. in dem von Pitrè III, S. 362 ff. als Nr. 7 seiner Giufàgeschichten mitgeteilten Schwänke (Monnier, S. 13 ff.), zu dessen Anfange die unten als Nr. 435 gebrachte Hiohàerzählung eine Parallele bildet; dazu vergleiche Köhler, I, S. 87 ff. und 50, Boltes Noten zu Montanus, Gartengesellschaft, Nr. 50, S. 602, Rittershaus, S. 429 ff. und Archiv für slavische Philologie, XXII, S. 304 und 309. An weitern Versionen seien angegeben Merkens, I, S. 124 ff., Nr. 131, Wilhelm Busch, Ut ôler Welt, München, 1910, S. 35 ff., Nr. 16, L. Léger, Recueil de contes populaires slaves, Paris, 1882, S. 231 ff., H. Carnoy, Littérature orale de la Picardie, Paris, 1883, S. 186 ff., Bladé, Contes populaires de la Gascogne, III, S. 137 ff., Louis Dart, De mal en pis »Comme Tribuet«, Conte Champenois in der RTP, XI, S. 321 ff., eine nordfranzösische Erzählung, Jean l’innocent, mitgeteilt von Ed. Edmond ebendort, XX, S. 94 ff., Denis Bressan, Contes populaires de La Bresse, Nr. 3, ebendort, XXIII, S. 350 ff., Jacobs, More English Fairy Tales, London, 1894, S. 195 ff. und 242, ein japanischer Schwank, Der dumme Tempo, erzählt von Iguchi im Globus, 69, Nr. 3, abgedruckt bei Aug. Seidel, Anthologie aus der asiatischen Volkslitteratur, Weimar, 1898, S. 44 ff. und J. Hinton Knowles, Folk-Tales of Kashmir, London, 1888, S. 189 ff.

[170.] Sottisier, Nr. 93.

Ein ähnlicher Schwank aus Bosnien, ebenfalls von Nasreddin, wird in der Anthropophyteia, IV, S. 385 ff. erzählt; eine Parallele dazu, aber nicht von Nasreddin, steht bei Roda Roda, S. 40 ff. Eine andere Version, deren Anfang an den von Nr. 262 erinnert, steht in der serbischen Ausgabe, S. 182 ff.:

Einmal ging der Hodscha Nasreddin mit dem Sultan auf die Jagd; alle hatten Falken mit, nur Nasreddin eine Krähe. Im Felde angelangt, ließen alle ihre Falken steigen, und auch Nasreddin ließ seine Krähe aus. Die ging auf einen Stier nieder, und den band Nasreddin sofort an den Hörnern an und führte ihn mit sich, als ob der Stier jetzt ihm gehören würde, weil ihn seine Krähe erjagt habe. Aber der Besitzer wollte ihm den Stier nicht lassen; obwohl ihm der Sultan selber sagte, daß er ihn ihm lassen solle, ging er zum Kadi und klagte wider Nasreddin.

Als Nasreddin davon hörte, lief er schnell zum Kadi und versprach ihm ein Geschenk, wenn ihm der Stier nach seinem Spruche zufalle. Der Kadi sagte es zu, und als beide Streitteile vor Gericht kamen, der Besitzer sowohl, als auch der Hodscha Nasreddin, sagte er: »Die Krähe des Hodschas hat den Stier erjagt, und was einer erjagt, das ist sein«; und damit ließ er den Besitzer des Stiers hinauswerfen.