Am nächsten Tage nahm der Hodscha einen Topf und füllte ihn fast bis zum Rande mit Stiermist, darüber legte er ein Kohlblatt und auf dieses gab er ein wenig Butter; und diesen Topf schickte er dem Kadi als Geschenk. Der Kadi kam des Nachts nach Hause und sagte, weil er gerade Lust auf Butter hatte, seiner Frau, sie solle ihm den Topf bringen. Die Frau brachte ihn und er nahm einen Löffel, fuhr damit in die Mitte hinein und kostete. Aber er riß den Löffel sofort wieder aus dem Munde und rief: »Pfui Teufel!« Dann sah er nach, was es sei. Er ärgerte sich grimmig und ließ Nasreddin rufen; und er sagte voller Zorn zu ihm: »Womit hast du mich gefüttert, du niederträchtiger Kerl?« »Du hast dich selber gefüttert, erhabener Kadi,« antwortete der Hodscha; »aus dem Topfe hast du schon gegessen, als du das Urteil gesprochen hast. Wie könnte denn eine Krähe einen Stier erjagen?« Und damit ging er.
[171.] Sottisier, Nr. 94; Serbisch, S. 25 ff.; Pann, S. 332.
Krauss, Zigeunerhumor, S. 47 ff.
[172.] Sottisier, Nr. 95; Serbisch, S. 149 ff.
Ebenso Gladwin, Persian Moonshee, II, S. 19 ff., Nr. 50 und Krauss, Zigeunerhumor, S. 48 ff.; sehr nahe stehn auch die Novellen 3 und 4 in Arientis Porrettane, zit. Ausg., Bl. 8b ff. und 10a ff. und der auf der einen beruhende Schwank in der Arcadia in Brenta, S. 170 ff. Vgl. auch Montanus, Gartengesellschaft, Nr. 19 (die Nachweise Boltes S. 597).
[173.] Sottisier, Nr. 96; Serbisch, S. 40 (»Küß ihn zweimal; ich werde ihn halten, damit er nicht ausreißen kann«).
Vgl. eine Stelle im Kitab al ikd al farid von Abdirabbihi, die Basset in der RTP, XVII, S. 94 übersetzt hat; dort ist die Anspielung auf den 49. Vers der 5. Sure des Korans deutlicher ausgedrückt.
[174.] Sottisier, Nr. 98.
[175.] Sottisier, Nr. 101; Serbisch, S. 180 ff. (Schluß geändert).