EInes Tages ließ der Bei den Hodscha zum Dscherid[74] einladen. Nun besaß der Hodscha einen prächtigen Ochsen; den sattelte und bestieg er und kam also auf den Platz, wo der Dscherid stattfinden sollte. Alle lachten, als sie ihn sahen.
»Hodscha,« sagte der Bei, »das ist etwas neues, einen Ochsen reiten! Aber laufen kann er nicht.«
Der Hodscha erwiderte: »Ich habe ihn schon schneller laufen sehn als ein Pferd; und dabei war er damals erst ein Kalb.«
EInes Tages lud Tamerlan den Hodscha Nasreddin zu einem Mahle ein; nach dem, was man ihm von ihm erzählt hatte, war er begierig geworden, sich seinem Gebete zu empfehlen.
»Tamerlan,« ließ er ihm sagen, »der aus seinem Lande gekommen ist, will Nutzen ziehn von deinen Gebeten und Segnungen. Komm zu ihm und du wirst die Zeichen seiner Hochachtung empfangen.« Und die Boten fügten bei: »Tamerlan wird dich mit Ehren überhäufen.«
Der Hodscha sagte: »Sei es, wie immer es will.« Und er stieg auf seinen Esel und sagte zu seinem Amad: »Komm mit zu Timur.«
Der folgte der Aufforderung und so begaben sie sich zu dem Tatarenherrscher. Sie trafen ihn sitzend, und er war höflich mit dem Hodscha und lud ihn ein, neben ihm niederzusitzen. Bald bemerkte Nasreddin, daß Timur, wie er so saß, seine Füße unter ein Kissen gesteckt hatte; da tat er ebenso die seinigen darunter. Dadurch fühlte sich Timur verletzt, und sein Ärger wuchs, je länger der Hodscha seine Füße neben den seinigen hatte. Und er sagte bei sich: »Sieh einmal, er will es mir gleichtun, mir, dem Padischah, und ohne sich zu entschuldigen!« Und er sagte zum Hodscha: »Was für ein Unterschied ist zwischen dir und deinem Esel?«