EInmal kam ein Mann zum Hodscha und sagte zu ihm: »Hodscha, dein Sohn ist vom Esel gefallen; er hat den Geist aufgegeben.« Auf diese Worte hin versank Nasreddin für einen Augenblick in tiefes Grübeln, so daß er gefragt wurde: »Was macht dich denn so nachdenklich, Hodscha?«

»Ich habe darüber nachgedacht,« antwortete er, »daß ja mein Sohn Adschib niemals einen Geist gehabt hat; wie hat er ihn dann aufgeben können?«

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EBenso erzählt man, daß einmal ein Arzt zu einem Kranken gerufen worden ist; er hat ihm den Puls gefühlt und gesagt: »Ich vermute, daß du etwas Huhn gegessen hast. Das ist schlecht; nimm dich in acht und iß es nicht mehr.«

Der Kranke sagte: »Es ist wahr; ich habe etwas Huhn gegessen.«

Hochverwundert bezeugten die Anwesenden ihre Befriedigung. Als dann der Arzt das Haus verlassen hatte, sagte sein Sohn zu ihm: »Vater, macht das nur die Wissenschaft, daß du das gewußt hast?«

Der Arzt antwortete: »Ursprünglich habe ich es durch die Wissenschaft erkannt, erhärtet durch mehr als eine Beobachtung. Obwohl ich es aber ursprünglich nur durch die Wissenschaft erkannt habe, sowohl aus dem Klopfen des Pulses, als auch durch andere Anzeichen, die ich beobachtete, habe ich überdies, als wir in die Nähe des Hauses kamen, Hühnerfedern und Obstschalen bemerkt und habe daraus geschlossen und die Diagnose abgeleitet, daß der Mann davon erkrankt ist, daß er das alles auf einem Sitz gegessen hat.«

Diese Worte des Vaters gruben sich dem Sohne ins Gedächtnis. Nun geschah es, daß man sich einer Krankheit halber, da der Vater nicht zu Hause war, an den Sohn wandte; der sah, als er zu dem Kranken ging, in der ganzen Umgebung des Hauses herum, bemerkte aber nichts andres als einen Eselssattel. Er trat zu dem Kranken, fühlte ihm den Puls und sagte, mit dem Kopfe wackelnd: »Oweh oweh, du hast heute Eselsfleisch gegessen. Das ist schlecht; iß es nicht mehr, es macht für die Krankheit empfänglich.«

»Aber Arzt,« schrie der Kranke, »du redest einen Unsinn. Kein Mensch ißt Eselsfleisch; mich ekelts ja davor.«