Der Angeklagte war aber ein Freund des Kadis; und er sagte zu ihm: »Untersuche, ob der Mann Recht hat; wir wollen hören, was er darlegen wird.«
Und der Hodscha fuhr fort: »Dieser schlechte Kerl hat mir einen Schlag gegeben.«
Der Kadi sagte: »Für einen Schlag ist die Buße ein Pul[89]. Ich fälle gegen diesen Mann das Urteil, daß er dir einen Pul geben soll.«
Der Gegner des Hodschas suchte nach, hatte aber keinen Pul bei sich; er ging einen holen, blieb jedoch eine geraume Zeit aus. Der Hodscha wartete und wartete, bis er endlich ungeduldig wurde. Da bemerkte er, daß der Kadi, der eben mit schreiben beschäftigt war, den Kopf gesenkt hielt; unverzüglich versetzte er ihm einen Schlag ins Genick.
»Aber Hodscha,« schrie der Kadi, »was soll das heißen?«
Und der Hodscha antwortete: »Mir ist nichts andres übrig geblieben; der Mensch kommt nicht, und ich habe dringend zu tun. Wann er wiederkommt, so laß dir den Pul von ihm geben und behalte ihn für dich.«
Mit diesen Worten ging der Hodscha in aller Unbefangenheit hinweg.
ZU der Zeit, wo der Hodscha Kadi war, kamen eines Tages ein Mann und eine Frau vor Gericht, und die Frau sagte: »Effendi, dieser Mann ist ein Teufel; er hat mich genommen und geküßt. Ich will mein Recht haben, mein unverbrüchliches Recht.«
Der Hodscha sagte: »Na, was werden wir denn da tun? Ein Kuß von dir wird den andern ausgleichen.«