In Kufa war eine Frau, deren Mann mittellos war; und sie sagte zu ihm: »Mach dich doch auf und reise durch die Länder; vielleicht hilft dir Gott.« Er nahm den Weg nach Syrien, und dort verdiente er dreihundert Dirhem; dafür kaufte er sich eine Kamelstute. Die war aber hitzig und bereitete ihm viel Verdruß. In seinem Ärger darüber und über seine Frau, daß sie ihn weggeschickt hatte, schwur er, entweder die Kamelstute an dem Tage, wo er nach Kufa heimkommen werde, um einen Dirhem zu verkaufen oder sich von seiner Frau zu scheiden. Dann reute es ihn und er sagte alles seiner Frau. Sie nahm eine Katze, setzte sie der Kamelstute auf den Hals und sagte zu ihrem Manne: »Geh auf den Markt und rufe aus: ›Wer will diese Katze um dreihundert Dirhem kaufen und diese Kamelstute um einen? ich verkaufe sie aber nur miteinander.‹« Das tat er. Ein Araber kam, betrachtete die Kamelstute von allen Seiten und sagte: »Wie schön sie ist! wie lebhaft! Wenn sie nur nicht die Katze auf dem Halse hätte!«
Ähnlich ist eine Fassung im Bäharistan, Dschamis, S. 86 (Clouston, Flowers, S. 82), zu der Schlechta-Wssehrd, S. 147 ff. bemerkt, daß die Anekdote im Oriente sehr bekannt ist, und daß an sie viele Sprichwörter erinnern wie: »Wäre nicht die Verfluchte an seinem Halse!«
Als Predigtmärlein bearbeitet ist die Geschichte bei Bromyard, Summa praedicantium, E, 8, 17 (in der Ausg. Basel, Joh. de Amerbach, ca. 1479):
Sicut patet de illo qui moriens, vxore executrice facta, bouem pro anima sua legauit vt fertur. Vxor vero bouem et gallum simul ad forum ducens, vtrumque simul vendidit hac conuentione, quod emptor pro gallo marcam anglicanam et pro boue obolum daret; quod cum factum fuisset, obolum pro anima dedit mariti.
Auf einer ähnlichen Erzählung beruhen Pauli, Schimpf und Ernst, Nr. 462 (die Nachweisungen Österleys, S. 526 ff.), und Zincgref-Weidner, IV, S. 199 (Ochs und Hahn)[18]. In der 55. Novelle der Heptamérons, sind es wieder, wohl mit Anlehnung an eine etwa über Spanien herübergekommene Tradition ein Pferd und eine Katze; ebenso erzählt G. F. Giuliano, Dialogo d’un medico con un secretario et un palafreniere di un principe romano del modo et utilità di far quadragesima, Roma, 1651. S. 41, während die kurze Darstellung in Costos Fuggilozio, S. 38 ff.: Astuzia d’una contadina in satisfare un legato del morto marito, von einem Ochsen und einer Katze, die 31. Erzählung bei M. Somma, Cento racconti, 3a ed., Napoli, 1822, S. 79 ff. von einem Pferde und einem Hammel (kombiniert mit dem Stoffe der 71. Facetie Poggios, wozu man Arlotto, I, S. 191 vergleiche) und P. Sébillot, Contes de la Haute-Bretagne, Nr. 28: Le fermier rusé, in der RTP, XI, S. 509 von einer Kuh und einer Katze berichten.
[371.] Nawadir, S. 43 (RTP, XIX, S. 311 ff.).
[372.] Nawadir, S. 43 (RTP, XIX, S. 311).
In den Fourberies, S. 72 bemerkt Basset zu diesem Schwanke: »Sans doute l’origine du dicton: Si la montagne ne va pas à Mahomet, c’est Mahomet qui ira à la montagne« und wiederholt dies in der RTP, a. a. O. Diese Behauptung hat dann der Fortsetzer der Arbeit Büchmanns in die letzten Auflagen der Geflügelten Worte, aufgenommen. Hätte er in Wanders Sprichwörter-Lexikon‚ nachgesehn, so hätte er auf S. 958 des V. Bandes als Quelle des Sprichworts: »Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen will, so muß der Prophet wohl zum Berge gehn« das Gedicht Hagedorns »Mahomet und der Hügel‚« angegeben gefunden; aber auch dieses ist nicht die unmittelbare Quelle, weil es wohl sonst statt »Berg« »Hügel« heißen müßte[19]. Die Quelle scheint vielmehr die Mohammed‚ betitelte Erzählung in Hebels Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes, (zit. Ausg. IV, S. 263 ff.) zu sein, deren Anfang lautet:
Dem Mohammed wollten es anfänglich nicht alle von seinen Landsleuten glauben, daß er ein Prophet sei, weil er noch kein Wunder getan hatte wie Elias. Dazu sagte Mohammed, ganz gleichgültig, wie einer, der eine Pfeife Tabak raucht und etwas dazu redet, »das Wunder,« sagte er, »macht den Propheten noch nicht aus. Wenn ihrs aber verlangt, so werden ich und jener Berg dort geschwind beieinander sein.« Nämlich, er deutete auf einen Berg, der eine Stunde weit oder etwas entfernt war, und rief ihm mit gebietender Stimme, daß der Berg sich soll von seiner Stätte erheben und zu ihm kommen. Als aber dieser keine Bewegung machen und keine Antwort geben wollte, wiewohl keine Antwort ist auch eine, so ergriff Mohammed sanftmütig seinen Stab und ging zum Berg, womit er ein merkwürdiges und nachahmenswertes Beispiel gab .....
Woher Hagedorn und Hebel geschöpft haben, kann ich nun allerdings nicht sagen, sicher scheint hingegen zu sein, daß die Dschohageschichte von dem Palmbaum (ebenso auch wahrscheinlich die beiden deutschen Erzählungen) auf einer Mohammedlegende fußt. Bayle zitiert in dem Artikel Mahomet, (Dictionaire historique et critique, 3e éd., Rotterdam, 1720, S. 1852) eine Stelle aus der das erste Mal 1686 erschienenen Histoire du monde, von Urb. Chevreau, die folgendermaßen beginnt: