[381.] Stumme, Tripolis, S. 178 ff.; vgl. oben Nr. 57.

[382.] Stumme, Tunis, I, S. 75 ff. und II, S. 126 ff.

Zu dem Motive von dem Zolle auf verschiedene Gebrechen vgl. Österleys Nachweisungen zu der Nr. 157 der Gesta Romanorum, S. 738 und zu der Nr. 285 von Paulis Schimpf und Ernst, S. 506, ferner Waas, Die Quellen der Beispiele Boners, S. 56 ff. und Chauvin, IX, S. 18 ff. Eine interessante Parallele bietet das Nuzhat al udaba, (Basset in der RTP, XV, S. 672 ff.), weil auch hier der Zoll auch auf den Namen gesetzt ist:

Man erzählt, daß einer einen König um die Erlaubnis gebeten hat, einen Dirhem von jedem Buckligen, ebenso einen Dirhem von jedem, der Suleiman heiße, und einen Dirhem von jedem, der aus Mosul sei, einheben zu dürfen. Der König legte diese Steuer auf, und der Mann nahm den Bescheid und ging. Er sah einen Buckligen, der drei Hühner hatte, jedes einen Dirhem wert; da streckte er die Hand aus und nahm eines und sagte: »Auf Befehl des Sultans.« Der Bucklige begann zu schreien und um Hilfe zu rufen. Einer, der ihn kannte, sagte zu ihm: »Gib acht, Scheik Suleiman!« Da verlangte der, der den Bescheid hatte, zwei Dirhem und streckte die Hand nach dem zweiten Huhne aus. Der Bucklige schrie: »Ich beschwöre dich, tu mir nicht unrecht; ich bin ein Fremder, aus Mosul.« »Jetzt sind es drei Dirhem,« sagte der andere; er streckte die Hand aus und nahm auch das dritte Huhn und ging weg.

Diese Fassung, wo das Gebrechen, der Name und die Heimat die Anlässe zu der Entrichtung eines Zolles geben, ist ein Gegenstück zu dem 611. Stücke bei Pauli: dort bittet ein armer Student vergebens um ein Almosen, weil er aus Bremen ist, Nikolaus heißt und nur ein Auge hat.

Die Episode von den drei Dummen hat eine bis in Einzelheiten übereinstimmende Parallele bei Radloff, Proben der Volkslitteratur der türkischen Stämme Südsibiriens, Petersburg, 1866 ff., VI, S. 257: In einer Stadt, die sonst nur von Narren bewohnt wird, nimmt der einzige nicht närrische eine Frau. Die geht nach drei Tagen die Kuh melken, und bei dieser Beschäftigung läßt sie einen Wind; sie bittet die Kuh, nichts davon zu sagen. Dann kommt ihre Schwiegermutter ebenfalls bitten und bringt der Kuh eine Schüssel Kleie, damit sie nichts sage. Endlich kommt auch der Schwiegervater, bringt der Kuh auch eine Schüssel Kleie und bittet sie wie die beiden andern, so daß sie alle drei beisammen sitzen. Als der junge Gatte nach Hause kommt, wird er zornig und geht aus, um drei ebenso törichte Leute zu finden: findet er sie, soll seine Familie verschont bleiben; findet er sie nicht, will er seine Familie töten usw. usw.

In dieser Kombination, wo es sich allerdings meist um die junge Frau oder Braut und ihre Eltern — nicht wie bei Radloff und in unserm Schwanke um ihre Schwiegereltern — handelt, ist das Motiv außerordentlich verbreitet. Clouston hat ihm in dem Book of Noodles, S. 191 ff. eine längere Studie gewidmet, und reichliche Nachweise finden sich bei Köhler, I, S. 81 ff., 217 ff. und 266; dazu kommen noch Pitrè, III, S. 137 ff., Crane, S. 279 ff. und 378, Jacobs, English Fairy Tales, S. 9 ff. und 231 ff. und Aug. Dozon, Trois contes bulgares, Nr. 3: Le cochon a la noce, in der RTP, III, S. 381.

Der Schluß unserer Geschichte bringt wieder den Zug vom eingebildeten Toten, der uns schon oft genug begegnet ist.

[383.] Stumme, Tunis, I, S. 78 ff. und II, S. 131 ff.; Fourberies, Nr. 55 = unten Nr. 415; Pitrè, IV, S. 444 (Giufà). Siehe weiter Nr. 347 und Nr. 430.

Das Motiv von dem Regen eßbarer Dinge, der einer dummen Person vorgetäuscht wird, um ihrer Erzählung die Glaubwürdigkeit zu nehmen, wird uns noch unten bei Nr. 407 beschäftigen; abgesehn von derartigen Kombinationen erscheint es noch mit Giufà verknüpft bei Pitrè, III, S. 378. Nachweisungen geben Köhler-Bolte in der ZVV, VI, S. 73, Clouston, Noodles, S. 154, Cosquin, II, S. 182, Note, Köhler, I, S. 340 und 342 und Chauvin, VI, S. 126; dazu wären noch zu nennen U. Jahn, Schwänke und Schnurren, S. 48 ff., Swynnerton, S. 180 (s. oben die Note zu Nr. 347), O’Connor, Folk Tales from Tibet, S. 33 ff., Ilg, II, S. 38 ff., James Bruyn Andrews, Contes ligures, S. 92 ff., eine brasilianische Erzählung, die Basset in der RTP, X, S. 499 mitteilt, Hazelius, Ur de nordiska folkens lif, S. 101 ff., zitiert im Archivio, II, S. 477 ff. usw. usw. Hierher gehört auch die bei Chauvin, VIII, S. 69 besprochene Novelle des Syntipas, wozu eine im Archivio, II, S. 479 aus dem Finnischen übersetzte Erzählung zu vergleichen ist. Alle diese Mittel, um ein Ausplaudern ungefährlich zu machen — an den zwei letztgenannten Stellen handelt es sich allerdings um einen andern Zweck — gemahnen an die List, die die ungetreue Frau anwendet, um den wachsamen Vogel, Papagei oder Elster, zu täuschen (vgl. darüber die Literaturnachweise bei Chauvin, VIII, S. 35 ff.); als eine Art Bindeglied könnte eine Erzählung bei Bütner, Von Claus Narren, S. 119 (aus derselben Quelle bei Zincgref-Weidner V, S. 174) gelten, wo der Vogel durch einen Narren ersetzt ist: