Eine besonders ihres Schlusses wegen merkwürdige Variante bringt die serbische Ausgabe, S. 113 ff.:
Eines Tages wollte der Hodscha Nasreddin einen Esel kaufen gehn. Als er auf den Markt kam, traf er dort einen Kerl, der aus seinem Esel möglichst viel Geld herausschlagen wollte. Nasreddin fragte ihn, was der Esel kosten solle, und der Mann nannte einen hohen Preis, fügte aber hinzu, daß sein Esel nicht so sei wie die andern, sondern jeden Tag Geld scheiße, einmal lauter Taler, am andern Tage lauter Dukaten; und um Nasreddin davon zu überzeugen, hob er dem Esel den Schwanz, nahm einen Dukaten heraus und steckte ihn in den Gürtel.
Als das Nasreddin sah, brannte er nur darauf, den Esel zu kaufen, und zahlte schließlich eine große Summe für ihn. Beim Abschiede sagte ihm noch der Kerl, wie er ihn zu füttern habe, und dann gingen sie auseinander.
Voller Freude ging Nasreddin mit dem Esel heim und fütterte ihn tüchtig, ohne sich an die Vorschrift zu halten.
Am nächsten Morgen eilte er in den Stall, einen Sack in der Hand, den er mit den Dukaten füllen wollte. Aber er fand die Stalltür von innen verrammelt, und konnte nicht eintreten. »Schau ihn an,« sagte er bei sich, »da hat er die ganze Nacht geschissen, und der Stall ist jetzt so voll Gold, daß ich die Tür nicht öffnen kann.« Nach diesem Selbstgespräche guckte er durch einen Spalt hinein, und nun sah er etwas wie Silber glänzen; er war davon nicht gerade entzückt und sagte sich: »Schau dir nur diesen Dreckkerl an! Dukaten hat er nicht scheißen wollen, sondern nur Taler.« Er ging um eine Axt und schlug die Tür ein.
Als er dann in den Stall trat, bekam er etwas zu sehn. Der viele Hafer hatte den Esel aufgetrieben und der Esel hatte alle viere von sich gestreckt; und was Nasreddin für Taler gehalten hatte, waren die Hufeisen des verreckten Esels.
Nun wurde ihm noch weher ums Herz; er warf den Sack weg und begann zu jammern. Daraufhin kam ein Nachbar gelaufen, und der fragte ihn, was ihm fehle. »Was mir fehlt? na, sieh dir die Geschichte an; ich habe ein schönes Stück Geld verloren.« Und er erzählte dem Nachbar, wie er betrogen worden sei.
Der Nachbar beriet ihn, was er tun solle: »Hacke dem Esel den Kopf ab, nimm eine oder zwei Oka Seide und wickle sie auf den Kopf; dann nimm ihn auf den Markt und biete ihn zum Verkaufe aus. Wenn dich einer fragt, was du zu verkaufen hast, so sagst du: ›Einen Eselskopf.‹«
Nasreddin folgte diesem Rate und ging mit dem Eselskopfe auf den Markt. Es kam einer und fragte ihn, was er zu verkaufen habe, und Nasreddin sagte: »Einen Eselskopf.« Der Kunde lachte und sagte: »Aber Hodscha, du bist doch dumm! das soll ein Eselskopf sein? das ist ja Seide.« »Und ich sage dir, du kaufst nur einen Eselskopf.« Doch der Kunde lachte, weil er meinte, das sei nichts als eine von des Hodschas gewöhnlichen Dummheiten. Sie handelten den Preis für die Oka Seide aus und wogen den Klumpen ab, und der Kunde bezahlte das ganze Gewicht für Seide. Dann verabschiedeten sie sich, und jeder ging seines Weges.
Als der Käufer den Klumpen abwickelte, fand er, daß die Seide nur oberflächlich war und daß das andere wirklich ein Eselskopf war; sofort lief er zum Richter und verklagte Nasreddin, daß ihn der betrogen habe. Der Richter ließ den Hodscha rufen, und der sagte, als er vor Gericht erschienen war: »Erhabener Kadi, frage ihn, was ich ihm gesagt habe, das ich zu verkaufen habe, und du wirst sehn, ob ich ihn betrogen habe.« Der Kadi befragte den Kläger und der erzählte genau den Sachverhalt. Erstaunt fragte ihn nun der Kadi: »Ja, warum klagst du denn, wo du doch gewußt hast, was du kaufst?« und damit ließ er ihn hinauswerfen.