537.

Die Nr. 8 bei Murad erzählt: Als der Hodscha mit dem Aga auf die Jagd reiten muß, nimmt er sich drei Datteln mit; sooft er aber eine in den Mund steckt, richtet der Aga eine Frage an ihn, so daß ihm, weil er die Dattel samt dem Kerne nicht verschlucken kann, nichts übrig bleibt, als sie auszuspucken. Am Abende will der Aga mit einer Zofe seiner Gattin scherzen; aber nun rächt sich Nasreddin an ihm und stört ihn dreimal hintereinander just im entscheidenden Momente, indem er an die Tür pocht und immer eine seiner bei der Jagd gegebenen Antworten richtig stellt.

Von Harun al Raschid und seinem Sklaven Ibad erzählt dasselbe Hammer im Rosenöl, II, S. 232 ff. nach dem »Mehedschon-nufus«; an die Stelle Ibads tritt Abu Nuwas bei Meißner, Neuarabische Geschichten aus dem Iraq, S. 72 und 73, Nr. 40. Vgl. auch Basset in der RTP, XXII, S. 215 ff.

538.

In der 10. Erzählung Murads, die bei Buadem, Nr. 61 (Serbisch, S. 72; Kroatisch, S. 44) der Schlüpfrigkeit, damit aber auch des Witzes entkleidet ist, schleichen sich Strolche in den Stall Nasreddins; er und seine Frau hören ihr Gespräch, wonach sie beabsichtigen, die Kuh zu stehlen, den Hausherrn umzubringen und an der Frau ihre Lust zu büßen. Begreiflicherweise ist Nasreddin sehr entrüstet, als seine Frau zuzuwarten rät.

Dieses Exempel weiblicher Begehrlichkeit steht bei Hammer, Rosenöl, II, S. 293 nach dem »Nozhatol-ebsar«, das wohl mit dem von Basset in den Contes populaires berbères, S. 201 zu seiner dasselbe erzählenden 50. Geschichte (Le vieillard, la femme et les voleurs‚) als Parallele zitierten Kitab nozhat el absar, identisch ist.

539.

Bei Murad, Nr. 19 zeigt sich Nasreddin von dem Vortrage eines stumpfsinnigen Dichters sehr gerührt; als ihn dieser voll Stolz fragt, was denn auf ihn einen besondern Eindruck gemacht habe, erhält er zur Antwort, daß sich Nasreddin beim Anblicke seines wackelnden Bartes[27] wehmütig eines alten Ziegenbockes im Vaterhause erinnert habe.

Dieser Schwank ist wohl zusammenzustellen mit dem vom Prediger mit der Eselsstimme, den ich im Mönchslatein, S. 8 mitgeteilt habe; in einer an unsere Version gemahnenden Form (Bart, nicht Stimme, ist das erinnernde Merkmal) steht er im Nuzhat al udaba‚ (Basset, RTP, XV, S. 353), bei Gladwin, II, S. 15, Nr. 33 (dazu Clouston, Flowers, S. 71 ff.), bei Swynnerton, S. 157 und in einer bulgarischen Erzählung aus Altserbien in der Anthropophyteia, II, S. 387 ff.

Zu meinen Nachweisungen im Mönchslatein, S. 197 ff. sind noch nachzutragen: A. Lecoy de la Marche, L’esprit de nos aïeux, S. 20 ff., Nr. 13 (nach J. de Vitry) und Paul Sébillot, Contes de prêtres et de moines, recueillis en Haute-Bretagne, Nr. 12 im Archivio, XIII, S. 567.