»Du bist listig,« sagte der Schakal; »aber wenn du eine List hast, so habe ich ihrer zehn. Darum wird es dir nie gelingen, mich zu foppen.«
»Mein lieber Freund, ich habe auch nicht eine einzige List; du bist eben mißtrauisch. Ich will nur, daß du mit mir nach Hause essen und trinken kommst. Das ist besser, als so durch den Wald zu schweifen, ausgesetzt den Dörnern, der Kälte und dem Hunger.«
»Ich wiederhole dir,« sagte der Schakal, »daß du ein großer Schurke bist; ich bin es auch. Wir werden also niemals zusammenkommen.«
»Und warum nicht?« sagte Dscheha; »sind wir nicht Brüder? Ich bin von Mitleid für dich bewegt gewesen; sonst hätte ich nicht so mit dir gesprochen.«
»Ich habe es dir gesagt und ich wiederhole es dir, daß ich nicht mitgehn werde; sobald du aber darauf bestehst, gut, so gehe ich mit.«
Der Schakal begleitete also Dscheha. Und als sie dann zu Hause angelangt waren, sagte er: »Ins Haus gehe ich nicht; ich werde vor der Tür schlafen.«
»Warum willst du nicht im Hause schlafen?« fragte ihn Dscheha; »da heraußen ist es ja kalt.«
»Ich will hier bleiben; ich bin an die Kälte gewöhnt. Ins Haus gehe ich nicht.«
»Meinetwegen,« sagte Dscheha; »bleib also da.«
Der Schakal hielt sich nun gewöhnlich draußen auf und Dscheha im Hause. Zu Mittag brachte ihm Dscheha das Mittagessen, am Abende das Nachtmahl. Schließlich mußte aber Dscheha einmal weggehn, und da gab er seiner Frau folgende Aufträge und sagte zu ihr: »Gib acht; laß deinen Sohn nicht heraus.« Er wußte, daß man vor dem Schakal auf der Hut sein mußte. Dann entfernte er sich, und seine Frau ging ihren gewöhnlichen Beschäftigungen nach. Der kleine Knabe trat vor die Tür. Als ihn der Schakal sah, stürzte er sich auf ihn und fraß ihn. Dann leckte er alles Blut auf und ließ nichts übrig, was ihn hätte verraten können.