Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten; er sah eine alte Großmutter, die spann, und zu der sagte er: »Großmutter, erlaube, daß ich die Henne dalasse; ich werde sie bald wieder abholen.« Als dann die Messe zu Ende war, wollte er sie abholen, aber die Frau sagte zu ihm: »Geh dorthin zu den Truthühnern; dort ist sie.« Dschahan schrie: »Aber sie ist ja tot! Die Truthenne hat sie getötet!« Und weiter schrie er: »Entweder die Henne oder die Truthenne!« Da gab ihm die alte Frau die Truthenne.
Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten; er sah unter einer Haustür eine Frau, und zu der sagte er: »Darf ich die Truthenne dalassen?« Die Frau antwortete: »Geh und laß sie bei den Schweinen.« Als er dann von der Messe zurückkam, wollte er die Truthenne wieder haben, aber die Frau sagte zu ihm: »Die Sau hat sie dir getötet.« Da begann er zu schreien: »Mir ist alles einerlei! entweder die Truthenne oder die Sau!« Und die Frau gab ihm die Sau.
Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten, und als er eine Frau unter ihrer Haustür sah, sagte er zu ihr: »Darf ich die Sau für einen Augenblick dalassen?« Die Frau sagte: »Steck sie zur Stute.« Als er dann von der Messe zurückkam und zu der Frau sagte: »Gib mir meine Sau«, antwortete sie ihm: »Die hat die Stute getötet.« Da sagte Dschahan: »Das ist mir einerlei! entweder die Sau oder die Stute!« Und die Frau sagte zu ihm: »Nimm dir die Stute.«
Dschahan ging zu einer andern Frau und bat sie: »Laß mich die Stute dalassen.« Die Frau sagte: »Ja; laß sie da.« Nun mistete die Stute auf den Boden; die Frau hatte aber eine junge Tochter und die sagte zu ihr: »Was hast du denn da hereingebracht?«, und begann mit ihr zu zanken, weil sie den Boden eben gewaschen hatte. Und da sie ihn so beschmutzt sah, nahm sie eine Stange und begann die Stute zu prügeln, bis sie tot war. Da kam Dschahan um seine Stute und fragte: »Wo ist sie?« Die Frau antwortete: »Das Mädchen hat sie getötet.« Und die Frau schenkte ihm die Tochter und Dschahan steckte sie in einen Sack und ging damit weg.
Wieder hörte er zur Messe läuten; er sah eine alte Großmutter und zu der sagte er: »Erlaube mir, daß ich den Sack für ein wenig dalasse.« Die Alte antwortete: »Leg ihn auf den Sims da«, und Dschahan legte ihn hin. Da aber die Alte sah, daß sich der Sack bewegte, öffnete sie ihn; und sie fand das Mädchen darinnen. Sie nahm es und versteckte es, und den Sack füllte sie mit Scherben. Und damit ist die Geschichte aus.
DSchahan wollte einmal Matrose werden; darum ging er auf ein Schiff. Der Kapitän sprach zu ihm: »Dschahan, was kannst du leisten?« »Herr Kapitän, ich kann von unten nach oben steigen und von oben nach unten.« Da sagte der Kapitän: »Gut; klettere den Mastbaum hinauf.« »Nein, Herr Kapitän; der ist mir zu hoch. Ich kann nicht hinaufsteigen; aber ich werde dir zeigen, wie man etwas im Hinuntersteigen leistet. Laß mir einen Kessel Suppe holen.« Man brachte den Kessel, und Dschahan, der ein Vielfraß war, aß alles auf. Als der Boden des Kessels sichtbar wurde, rief er: »Seht ihrs nun? Auch das Hinuntersteigen — mit dem Löffel — ist eine Leistung.«
DSchahan hatte schon öfters darüber nachgedacht, wo wohl die Schweine wüchsen, und auf welchen Bäumen. Und gar zu gern hätte er so einen mit kleinen Schweinchen behangenen Baum gesehn: vielleicht könnte er dann auch ein kleines Zweiglein erhaschen, das, in die Erde gesteckt, mit der Zeit zu einem großen Schweinchenbaum wachsen würde. Aber nie gelang es ihm, einen solchen Baum zu sehn, und darum ersann er ein andres Mittel. Er fragte einen alten Mann: »Großvater, was tut ihr mit dem geschlachteten Schweine?« »Junge, wir salzen es ein und tun das Fleisch in einen Kübel.« »Ach, dann macht ihr es also wie mit den Oleanderbäumen?« »Du Lamm, sei so gut und laß mich in Ruhe; ich muß arbeiten.« Dschahan entfernte sich und dachte: »Also, wie mit den Oleanderbäumen muß es gemacht werden, um die Schweine fortzupflanzen; ich werde mir einen solchen Schweinebaumsetzling verschaffen.«
Hierauf lief er heim, und da seine Mutter auf dem Felde arbeitete, so war er ganz ungestört: er ging in den Stall, nahm das alte fette Schwein heraus, schlachtete es, rieb es mit Salz ein, steckte es in einen alten Kübel, tat Erde darüber und stellte ihn in den Hof. Dschahans Mutter kam alsbald nach Hause; da sie das Tier vermißte, so fragte sie Dschahan nach seinem Verbleibe. Er erwiderte: »Mutter, hab keine Sorge; diesmal habe ich sicher nichts unrechtes getan. Für das eine Schwein wirst du eine Unmenge von kleinen Schweinchen erhalten. Die kannst du dann verkaufen; und einen Teil von ihnen ziehst du auf, und wir werden fürderhin keinen Mangel an Schweinefleisch haben.« Da gab sich die Mutter zufrieden und forschte nicht weiter nach.