[419.]

ALs die Mutter Dschahans eines Tages krank war, befahl ihm der Arzt, etwas Urin von ihr aufzuheben; am nächsten Tage werde er kommen und den Urin untersuchen. Der Arzt kam auch, und Dschahan beeilte sich, ihm das Gefäß zu zeigen. Der Arzt wunderte sich, es bis zum Rande voll zu finden, aber Dschahan erklärte ihm die Sache, indem er sagte: »Meiner ist auch dabei; der meinige ist oben.«

[420.]

DSchahan war einmal mit einer Henne in der Hand auf dem Wege zu seinem Herrn, um sie ihm zu schenken; aber etliche Räuber rissen sie ihm aus der Hand und entflohen. Dschahan nahm sich vor, sich zu rächen. Nachdem er den Ort, wo sie wohnten, ausfindig gemacht hatte, ging er, als Mädchen verkleidet, hin, und es gelang ihm, in ihrem Hause als Magd Aufnahme zu finden.

Als nun die Räuber eines Tages ausgegangen waren, stieg er auf das flache Dach, stellte dort eine Strohpuppe auf, die ihm ähnlich war, bestrich die Stufen der Stiege, die zum Dache führte, bis hinunter mit Seife, belud sich mit einer Menge kostbarer Dinge, die die Räuber besaßen, verließ das Haus, schloß die Tür ab und lief heim.

Nachdem die Räuber bei ihrer Rückkehr vergebens gerufen hatten, daß ihnen geöffnet werden solle, traten sie die Tür ein und stürzten blindlings die Stiege hinauf, entschlossen, sich an der frechen Dirne zu rächen, die noch immer auf dem Dache stand, als ob sie sich über sie lustig machen wollte; aber sie glitten allesamt aus und fielen einer auf den andern, und so war die Rache Dschahans erfüllt.[8]

[421.]

ES war einmal ein Junge, der Dschahan hieß, und der sagte zu seiner Mutter: »Gib mir einen Centime.« Sie antwortete: »Wozu?« »Damit ich mir Bohnen kaufe.« »Bohnen haben Schalen.« »Dann werde ich mir Nüsse kaufen.« »Die haben auch Schalen.« »Dann werde ich mir Erbsen kaufen.« »Gut,« sagte die Mutter und gab ihrem Dschahan drei Centimes; und er ging hin und kaufte sich Erbsen.

Nun aß er darauf los, bis er nur noch eine Erbse hatte. Diese gab er, da er noch keine Messe gehört hatte, einer Frau und bat sie: »Heb sie mir auf; ich will zur Messe gehn.« Die Frau antwortete: »Leg sie nur auf den Sims.« Aber ein Huhn fraß die Erbse, und als Dschahan zurückkam und sagte: »Ich komme um die Erbse«, antwortete die Frau: »Deine Erbse hat die Henne gefressen.« Da begann Dschahan zu schreien: »Entweder die Erbse oder die Henne!« Und die Frau sagte: »Nimm die Henne«, und gab sie ihm.