»Aber Bruderherz, wie kannst du nur so dumm fragen? um den großen Kohlkopf zu kochen, den du gesehn hast.«
EInes Abends zankten sich Nasreddin und seine Frau, und er sagte zu ihr: »Ich war wahrhaftig blind, als ich dich mit deiner Häßlichkeit genommen habe.« Deswegen schimpfte sie ihn zusammen, was sie nur konnte, und sagte schließlich zu ihm: »Die Eule hat auch an der Lerche etwas auszusetzen gehabt! Wie kannst du mir sagen, daß ich häßlich sei, wo du doch weit und breit der häßlichste Kerl bist!«
Das war für den stolzen Nasreddin zu viel, und er beschloß, ein Mittel zu suchen, um schöner zu werden. Nachdem er überall herumgefragt hatte, wandte er auch einige Salben und Pulver an, aber sein Ziel konnte er nicht erreichen.
Nun kamen eines Tages etliche Zigeunerinnen zu ihm, und die sagten ihm, sie würden ihn in ein paar Stunden so jung und schön machen, daß ihn jedermann bewundern werde. Voller Freude machte er die Sache mit ihnen ab.
Am nächsten Morgen stand er früh auf und schickte sein ganzes Gesinde aufs Feld und seine Frau zu ihrer Mutter; dann setzte er sich vors Haus, um die Zigeunerinnen zu erwarten. Um neun Uhr kamen sie. Sie gingen um ihn herum und besprachen ihn und redeten ihm ein, er werde noch an diesem Tage schön wie die Sonne werden, nur müsse er ihre Anordnungen befolgen. Er ließ sich täuschen und holte ein Faß, das sie ihm gezeigt hatten, und stellte es mitten ins Zimmer; sie befahlen ihm, unter dieses Faß zu kriechen, worauf sie ihn damit bedecken und dann herumgehn und ihn besprechen würden.
Als er ihnen gehorcht hatte und unter dem Fasse war, legten sie noch einige schwere Steine darauf; dann begannen sie, herumzugehn und dabei zu murmeln. Während aber einige um das Faß herumgingen und ihre Besprechungen vornahmen, machten die andern die Kisten und Kasten auf und nahmen alles, was sie wollten, im Zimmer sowohl, als auch in der Küche; und dann schlichen sie alle leise hinaus und liefen davon.
Als es nun völlig still geworden war, rief Nasreddin, sie sollten das Faß aufheben und ihn herauslassen; aber vergebens: es meldete sich niemand. Und seine ganze Stärke nutzte ihm nichts; er mußte warten, bis jemand nach Hause kommen werde. Erst in der Dämmerung kamen die Frau und die andern heim, und sie hatten eine schwere Mühe, daß sie die Steine vom Fasse herunterbekamen; und sie erstaunten, wie gründlich das Haus durchstöbert und ausgeplündert worden war. Nasreddin war, als er aus seinem Kerker befreit wurde, schier ohnmächtig, weil er nicht Luft genug gehabt und den ganzen Tag nichts gegessen hatte.
Im Gesichte war er, wie er gewesen war, und die schönsten Sachen waren gestohlen und weggetragen, und von den Zigeunerinnen war keine Spur und kein Laut. Jetzt sah er ein, daß er samt seiner Schlauheit der Gefoppte war.