VIII.
Serbische Überlieferungen

[456.]

DIe Frau Nasreddins bekam einmal einen Anfall von Schüttelfrost, und da bat sie ihn, einen Arzt zu holen; er sprang sofort auf und ging. Als er aber schon im Flur war, rief ihm die Frau aus dem Fenster zu: »Es ist nicht mehr notwendig, den Arzt zu rufen; ich bin nicht mehr krank.«

Der Hodscha ging jedoch trotzdem zu dem Arzte und sagte zu ihm: »Meine Frau ist krank geworden und hat mich gebeten, einen Arzt zu holen. Als ich dann schon im Flur war, hat sie mir zugerufen, daß sie keines Arztes mehr bedarf. Ich bin aber trotzdem gekommen, um dir zu sagen, daß du nicht mehr zu kommen brauchst.«

[457.]

ALs die Frau des Hodschas Nasreddin gestorben war, konnte man ihm keine Trauer anmerken. Nach einiger Zeit verendete ihm aber ein Pferd, und das machte ihn so traurig, daß er längere Zeit nicht aus dem Hause ging.

Da kamen die Leute zu ihm und fragten ihn, warum ihm um das Pferd mehr leid sei, als um die Frau, und er antwortete ihnen: »Als mir die Frau gestorben ist, sind die Nachbarn gekommen und haben mir Trost zugesprochen: ›Freund, mach dir nichts daraus, daß deine Frau tot ist; wir werden dir eine bessere und schönere finden‹, und was weiß ich noch. Seit mir aber mein Pferd fehlt, ist noch niemand gekommen, der mir gesagt hätte, er werde mir ein bessers Pferd verschaffen. Drum ist mir um mein Pferd mehr leid als um meine Frau.«