NAsreddin stand einmal um Mitternacht auf, ging vors Haus und begann zu krähen. Die Nachbarn, die das hörten, fragten ihn um den Grund, und er antwortete ihnen: »Ich habe heute viel Arbeit, und ich möchte gern, daß es früher Tag wird.«
DEr Hodscha wurde einmal gefragt, wie alt er sei, und er sagte: »Vierzig.« Als man ihn nach einigen Jahren wieder fragte, wie alt er sei, antwortete er wieder: »Vierzig.« Die Leute begannen zu lachen und sagten zu ihm: »Hast du uns nicht schon vor ein paar Jahren gesagt, du seist vierzig? und jetzt sagst du wieder vierzig.«
»Begreift ihr denn nicht,« antwortete der Hodscha, »daß ein ehrlicher Mensch immer bei dem bleiben muß, was er gesagt hat? Wenn ich euch jetzt sage, daß ich einen Gott habe, wie kann ich denn dann ein paar Jahre später sagen, daß ich mehrere hätte?«
EIn Bauer sagte eines Tages zu seinem Sohne, er solle heiraten. »Gut,« sagte der Sohn, »die Gelegenheit ist sowieso günstig; in unserm Dorfe ist ein Mädchen, ist eine Witwe und ist eine geschiedene Frau. Jetzt mußt du mir raten, welche ich nehmen soll.«
»Ich kann dir da nicht raten,« antwortete ihm der Vater; »aber in der Stadt habe ich einen Freund, der wird dir raten.«
Der Bursche ging in die Stadt; als er zu dem Freunde gekommen war, erzählte er ihm alles. Der jedoch antwortete ihm: »Ich kann dir auch nicht raten; aber hier in der Stadt lebt Nasreddin: such ihn auf, er wird dir raten.«
Der Bursche suchte Nasreddin überall, ohne daß ihm jemand hätte sagen können, wo er ihn finden werde, bis er auf einmal eine Schar Kinder traf, die Pferdchen spielten; er fragte eines von den Kindern, wo Nasreddin sei, und dieses antwortete: »Ich bin es.« Da der Bursche sah, daß ihm nichts andres übrig blieb, erzählte er dem Knaben alles. Und dieser sagte zu ihm: »Wenn du das Mädchen nimmst, so weißt es du; wenn du die Witwe nimmst, so weiß es sie.« Als aber der Bursche die geschiedene Frau erwähnte, da schlug ihn der Knabe mit der Peitsche über die Beine und ging wieder Pferdchen spielen.