Da sagte einer von den Dieben: »Du Kerl von einem Hodscha, das ist nicht gerecht.« »Wenn es euch nicht recht ist,« antwortete Nasreddin, »so verklagt mich beim Kadi; ich werde ihm den ganzen Hergang erzählen, und er soll nach dem kaiserlichen Gesetze und dem göttlichen Rechte erkennen.«
EInmal machte der Hodscha Nasreddin im Monat Ramasan in einem Dorfe den Vorbeter; als der Ramasan zu Ende war, zahlten ihn die Bauern gut und er kehrte nach Hause zurück. Unterwegs begegnete er einem Räuber zu Pferde und der sagte zu ihm: »Eh, Hodscha, du hast viel Geld zusammengebracht. Teil es mit mir; für dich ist es zu viel.«
Nasreddin begann ihn zu bitten, er möge ihn ruhig ziehen lassen, aber es half ihm nichts. Während nun der Räuber vom Pferde stieg, bückte sich der Hodscha rasch, nahm einen Stein und wickelte ihn in sein Tuch; dann sagte er: »Wenn es denn nicht anders geht, da ist das Geld. Aber du mußt wissen, daß mir darum so leid ist, daß ich nicht imstande bin, dirs mit der eigenen Hand zu geben; ich werde es auf die Wiese dort werfen und werde weggehn, und du gehst hin und nimmst es.«
Der Räuber war einverstanden, und Nasreddin warf den eingewickelten Stein weit von sich. Voller Habgier lief der Räuber hin, ohne auf Nasreddin zu achten; der aber stieg auf das Pferd und ritt davon.
EInmal wurde Nasreddin von einem, dem er zweihundert Groschen schuldig war, geklagt, weil er nichts zahlte. Als ihn der Kadi fragte, ob er ihm das Geld schuldig sei und warum er ihn nicht zahle, antwortete Nasreddin: »Es ist wahr, ich bin ihm zweihundert Groschen schuldig; aber es sind schon mehr als vier Jahre her, daß ich ihn um drei Monate Frist gebeten habe, um das Geld aufzubringen. Er hat mir die Frist nicht bewilligt; wenn er mir aber keine Frist geben will, wie soll ich das Geld zusammenbringen?«