EInes Tages pflanzte der Hodscha Weinreben; ein Spaßvogel, der vorüberging, grüßte ihn: »Guten Morgen, Hodscha! Bist du schon müde?«
»Gott segne dich!« antwortete der Hodscha; »ich bin noch nicht müde.«
»Was machst du denn da?«
»Weinreben pflanze ich; siehst du das nicht?«
»Aber wann wirst du von ihnen Trauben bekommen?«
»Wenn Gott das Glück gibt, in drei Jahren.«
»Ja, warum pflanzst du sie denn dann jetzt, warum nicht erst im dritten Jahre? Bist du denn verrückt?« Mit diesen Worten ging der andere weg und Nasreddin setzte sich nieder und begann zu überlegen: Es ist wahr: er ist ein gescheiter Mensch; er hat recht mit dem, was er sagt. Damit warf er den Karst über die Schulter und machte sich auf den Heimweg.
Als seine Frau sah, daß der Hodscha so rasch wieder nach Hause kam, fragte sie ihn: »Was gibts denn? warum kommst du so bald schon zurück?«
Und er erzählte ihr, wie es war, und fuhr fort: »Segen über ihn, über diesen klugen Mann! ich hätte mich meiner Seele nicht darauf besonnen, daß es eine richtige Dummheit ist, heuer Weinstöcke zu pflanzen und erst nach drei Jahren Trauben zu verkosten!«