DEr Hodscha war bei regnerischem Wetter über Land gewesen. Als er heimkam, zog ihm seine Frau die Schuhe aus und hängte sie zum Feuer, damit sie trocken würden; er aber stand auf und sagte: »Bist du dumm! Warum tust du die Schuhe zum Feuer, damit sie verbrennen? Trag sie lieber vors Haus in den Mondschein; es ist ja draußen wie bei Tage.«

Die Frau gehorchte ihm und hängte die Schuhe vors Haus. Als sie sie dann am Morgen hereinholte, und als er bemerkte, daß sie von der Winterkälte und dem Winde steif geworden waren, sagte er: »Siehst du jetzt, um wie viel der Mond besser trocknet als das Feuer? ich verwundere mich auch gar nicht, daß er sie getrocknet, ja sogar geradezu ausgedörrt hat!«


IX.
Griechische Überlieferungen

[487.]

EInes Tages nahm der Hodscha Nasreddin seinen Esel beim Zaume und zog ihn so hinter sich her. Einige Gassenjungen, die das sahen, beschlossen, den Esel zu stehlen, ohne daß der Hodscha etwas davon merkte, und einer von ihnen sagte zu seinen Kameraden: »Ich will die Sache durchführen; ihr müßt aber mit dem Esel sofort, wann ihr ihn habt, auf den Markt gehn und ihn verkaufen.« Und so liefen sie dem Hodscha nach.

Nach einem kleinen Stück Weges nahm der Knabe dem Esel den Zaum ab, legte sich ihn selber um und lief so, mit dem Zaume um den Kopf, hinter dem Hodscha her; unterdessen nahmen die andern den Esel und brachten ihn auf den Markt, um ihn zu verkaufen.