Nach einer Weile sah sich der Hodscha um, und da sah er, daß er anstatt eines Esels einen Menschen angehalftert führte. »Wer bist du?« fragte er ihn. »Ich bin dein Esel,« sagte der Gassenjunge, »und bevor ich ein Esel geworden bin, war ich ein Mensch; weil ich aber eines Tages meinen Eltern Kummer bereitet habe, haben sie mich verflucht und ich bin ein Esel geworden. Zuerst hat man mich an einen Bäcker verkauft, dann an einen Gärtner, und zum Schlusse habt Ihr mich gekauft. Eben jetzt, als Ihr mich hinter Euch herzogt, haben mich meine Eltern auf der Straße gesehn; sie hatten Mitleid mit mir und baten Gott und, siehe da, auf einmal bin ich wieder ein Mensch geworden!«

Verdutzt griff der Hodscha in seinen Bart und sagte nach einer kurzen Überlegung: »Was du da sagst, ist ja nicht unglaublich, wenn es auch nicht gerade mich hätte treffen müssen. Geh also, mein Kind, und betrübe deine Eltern künftighin nicht mehr.« Und damit entließ er ihn.

Da er aber ohne Esel nicht sein konnte, ging er auf den Markt, um einen zu kaufen. Dort sah er nun den seinigen, wie er von dem Ausrufer zum Verkaufe herumgeführt wurde; er trat leise an ihn heran und sagte ihm ins Ohr: »Du bist wieder ein Esel geworden, hast also deine Eltern wieder erzürnt. Vorwärts also, komm wieder in meinen Stall; du bist nicht danach, daß du wieder ein Mensch würdest.« Und völlig überzeugt, daß der Esel der seinige sei, nahm er ihn wieder zurück.

[488.]

DEr Hodscha wollte seinen Esel verkaufen; er führte ihn hinaus und übergab ihn dem Ausrufer. Der beschrieb, indem er ihn herumführte, seine Vorzüge, daß er brav, jung, kräftig, schnell usw. sei. Die Käufer, die das hörten, überboten einander; da nun aber auch der Hodscha glaubte, sein Esel habe diese Vorzüge tatsächlich, wollte er nicht, daß er in fremde Hände komme, und begann auch selber mitzubieten. Und so blieb ihm schließlich der Esel; er nahm ihn also und führte ihn wieder nach Hause und erzählte die ganze Geschichte seiner Frau.

Die hatte an eben diesem Tage Lust nach Schlagsahne gehabt und hatte, während ihr der Milchhändler die Sahne zuwog, verstohlen und ohne daß er es bemerkt hätte, ihre goldenen Armbänder von den Händen gezogen und sie in die Wagschale zu den Gewichten geworfen, um den Milchhändler zu betrügen und mehr Sahne zu erhalten. Das mußte sie dem Hodscha erzählen und der sagte nun zu ihr: »Sehr gut, Frau; so wollen wir denn fortan alle beide unser Hauswesen fördern: ich draußen und du daheim.«

[489.]

DEr Hodscha ging einmal in ein Bad. Die Wärter gaben ihm ein altes Badetuch[11] und ein beschmutztes baumwollenes Reibzeug[12] und behandelten ihn nicht so, wie es sich gehört hätte. Der Hodscha sagte nichts, hinterließ aber, als er aus dem Bade wegging, auf dem Spiegel zehn Asper, einen Betrag, den damals nur sehr reiche Leute geben konnten, und darüber waren die Wärter sehr erstaunt.

Nach einer Woche ging er wieder in dasselbe Bad, und nun setzten die Wärter eine Ehre darein, ihm alle Aufmerksamkeit und Hochachtung zu erzeigen. Der Hodscha sagte wieder nichts, hinterließ aber beim Weggehn nur einen Asper auf dem Spiegel. Wieder wunderten sich die Wärter, und sie sagten zu ihm: »Was ist das?«

Er antwortete ihnen: »Dieser eine Asper ist die Bezahlung für das Bad in der vergangenen Woche; die zehn Asper, die ich euch in der vergangenen Woche gegeben habe, sind die Bezahlung für das heutige.«