Das Bett

Von Paul Ernst

Die Frau des Polizeihauptmanns Tromba war bei der Frau des Stadtrichters Matta gewesen. Matta ist Richter, und Tromba ist nur Polizeihauptmann; das müßte gewisse Schranken für die weibliche Einbildungskraft setzen, sollte man meinen. Es setzt aber diese Schranken nicht. Die Frau des Richters Matta hat ein Fremdenzimmer, weil vornehme Leute zuweilen Besuch vom Lande bekommen. Tromba bekommt zwar keinen Besuch vom Lande, aber seine Frau findet, daß sie reichlich ebenso vornehm ist wie die Frau des Stadtrichters Matta, denn Frau Matta ist eine reiche Fleischerstochter gewesen und sie eine reiche Bäckerstochter; und deshalb ist es notwendig, daß sie auch ein Fremdenzimmer hat.

Tromba wünscht verschont zu werden und wird nervös. Beppina tröstet ihn und sagt, wenn die Mutter erst einmal gestorben ist, dann führt sie dem Vater die Wirtschaft, und dann bäckt sie auch jeden Tag Eierkuchen, und wenn er seinen Teil nicht ganz aufißt, dann schadet das nichts, dann ißt sie ihn mit. Tromba hebt sie hoch, küßt sie und sagt, sie ist ein Engel. Die Frau wischt Staub im Zimmer und wirft Gegenstände, welche sie abwischt, mit merklichem Knall an ihre Stelle. Das leere Zimmer hätte man nämlich; es liegt eine Treppe höher auf dem Boden und hat eine schöne Aussicht, genau wie das Fremdenzimmer der Frau Stadtrichter Matta. Man hätte auch die Bettstelle und die andern Möbel. Es fehlt nur das Bett. Und sie findet, wenn man Polizeihauptmann ist, dann hält man einfach eine Haussuchung ab, und es wäre doch merkwürdig, wenn man da nicht ein Bett fände, das man mit Beschlag belegen kann.

Tromba sagt sich, daß er eine Gemeinheit begeht. Aber was nutzt ihm alles, er muß Ruhe haben. Er kommt nicht zum Arbeiten. Also, er macht eine Haussuchung bei Lange Rübe.

Lange Rübe kann sich natürlich denken, wie die Haussuchung zu erklären ist, und macht bissige Bemerkungen über Ehrenmänner, wie sie beide, welche wissen, was sie sich gegenseitig schuldig sind, über das Unvermutete des Besuchs und über die Mühe, welche sich Tromba hätte sparen können, wenn er seinen Wunsch gegen Lange Rübe geäußert hätte. Tromba kann ihm nichts erwidern, denn Lange Rübe hat ja recht; und so erfüllt er denn mit den Häschern seine Pflicht, ohne Lange Rübe zu antworten. Lange Rübe kann sich nicht ausweisen über den Erwerb eines guten Bettes mit Roßhaarmatratze und Daunendecke; und so wird das Bett denn mit Beschlag belegt.

Tromba übt in den ehelichen Kämpfen die bekannte Strategie, welche man auch von andern Ehemännern erzählt. Zunächst wird er immer geschlagen und muß den Willen der siegreichen Frau erfüllen. Wenn er das aber getan hat, so ist die Frau in schwächerer Verfassung, weil ihre Geisteskräfte in Anspruch genommen sind durch das Bedenken, wie sie das Gewonnene verwertet; und nun dreht er sich um und greift seinerseits an. Das Bett wird also gebracht; die Häscher stellen die Bettstelle auf und legen das Bett hinein, verweigern, ein Trinkgeld anzunehmen, und gehen mit höflichen Empfehlungen. Frau Tromba steht im Fremdenzimmer und überlegt, wie sie die Vorhänge aus einem alten Stoff herstellt; Tromba geht auf und ab, die Hände auf dem Rücken, pustet und stößt abgebrochene Laute aus.

Ein Gauner ist auch ein Mensch. Lange Rübe hat nicht gleich ein Bett wieder. Wo soll er denn schlafen? Anständige Menschen nehmen Rücksichten. Tromba hat aus freien Stücken Lange Rübe erklärt, wenn er wieder ein Bett habe, das geht ihn nichts an, er weiß nichts davon, er will nichts davon wissen, ist seine Sache nicht. Er will nichts mehr hören von Betten. Er kann sich nicht um jedes Bett kümmern, das es in Rom gibt. Wenn Tromba zum Kaufmann geht und etwas kauft, der Kaufmann macht ihn doch dumm und nimmt ihm ab, was er kriegen kann, und lügt ihm noch vor, daß er ihm seine Ware zur Hälfte schenkt. Wenn der Bauer etwas in die Stadt bringt, und die Leute haben Hunger, und es ist nichts sonst auf dem Markt, dann verlangt er das Dreifache, und wenn sie es ihm geben, dann steckt er das Zehnfache ein. Sind die denn anders als der Gauner? Aber denen hat die Polizei nichts zu sagen, die werden vom Staat beschützt, ja, die kommen womöglich noch und machen Anzeige, wenn ein Gauner bei ihnen gewesen ist. Als ob der Gauner nicht auch sein Leben in Mühe und Schweiß verdient! Und überhaupt, die Polizei lebt von den Gaunern. Wenn die Gauner nicht wären, dann brauchte man auch die Polizei nicht. Das sagt man sich alles, wenn man ein Mann ist. Aber ein Weib, wenn sich ein Weib eine dumme Idee in den Kopf gesetzt hat, dann muß das geschehen. Dann muß das geschehen, und wenn der Himmel einstürzt. Alles einerlei.

Vielleicht denkt sich Frau Tromba, daß sie ja nun ihr Bett hat, und daß es für die Gesundheit eines Mannes immer besser ist, er tobt sich aus, statt den Ärger hinunterzuschlucken; vielleicht ist sie aber auch wirklich zu sehr mit der Frage der Gardinen beschäftigt; jedenfalls widerspricht sie nicht. Nach gewöhnlicher Psychologie müßte ja nun Trombas Zorn abnehmen; aber bei Tromba, wie bei manchen anderen Männern, wenn sie in ähnlichem Fall sind, steigert er sich jetzt.