Lange Rübe muß natürlich wieder ein Bett haben. Einerseits tut ihm ja Tromba leid; Tromba kann mit den Weibern eben nicht fertig werden; anderseits ist es Lange Rübe auch nicht zu verübeln, wenn er auf Tromba wütend ist, denn eine Gemeinheit bleibt es schließlich, ihm das Bett abzuholen.

Lange Rübe nimmt sich also einen befreundeten Droschkenkutscher und fährt mit ihm zu Trombas Haus. Der Wagen hält unten, Lange Rübe steigt aus, tritt in das Haus, geht die Treppen hoch bis unter das Dach, öffnet das Fremdenzimmer und packt das Bett in zwei mitgebrachte große Säcke. Die nimmt er auf die Schultern und geht still wieder die Treppe hinunter.

Man geht in solchem Falle bekanntlich rückwärts die Treppe hinunter; wenn jemand einen sehen sollte, dann kann man gleich so tun, als steige man nach oben und sagt, man bringe die Säcke zu einem Herrn Francesco, der ja wohl in diesem Hause wohne, mit einer schönen Empfehlung von Herrn Augusto. Herr Francesco wohnt nicht in diesem Hause; man schimpft über Herrn Augusto, der einem doch stets die unrichtige Hausnummer nennt, so daß man doppelte Arbeit hat; die Person, welche einem begegnet ist, bedauert einen, daß man die schweren Packen so hoch geschleppt hat, und gibt einem den guten Rat, sich lieber immer erst unten zu erkundigen, ob man auch recht gegangen ist; dann geht man die Treppe hinunter und hat seine Masematten in Sicherheit.

Demnach geht auch Lange Rübe rückwärts hinunter. Aber die Bodentreppe ist steil, und wie er eben auf der vorletzten Stufe ist, tritt er fehl, stürzt, die Säcke rollen von den Schultern, und er selbst schlägt mit aller Wucht an Trombas Tür. Lange Rübe steht langsam auf und reibt sich das Bein, Tromba öffnet die Tür.

Natürlich tut Lange Rübe ganz selbstverständlich. Er beklagt sich über die Treppe und preist sein Glück, denn er hätte ein Bein brechen können bei dieser Gelegenheit, und das hätte er dann von seinem guten Herzen gehabt. Da aus diesen Ausrufen und Erklärungen nicht zu erkennen ist, was Lange Rübe mit den beiden prallen Säcken will, so fragt Tromba; Lange Rübe tut wieder selbstverständlich und erklärt, in denen sei doch das Bett; er habe gehört, daß der Herr Polizeihauptmann ein Bett brauche, und da er ein Bett überflüssig habe, so bringe er es ihm; der Herr Polizeihauptmann könne es behalten, so lange er wolle, bei ihm sei es nicht nötig, und er freue sich sehr, daß er dem Herrn Polizeihauptmann die kleine Gefälligkeit erweisen könne, als ein Ehrenmann dem andern.

Tromba denkt bei sich, daß Lange Rübe ja verdammt schnell wieder ein Bett gefunden hat, sein Gewissen ist beruhigt; einigermaßen ärgert er sich ja über die Frechheit, daß er es ihm gleich zeigen will, aber dann kann er ihm die Frechheit auch wieder nicht übel nehmen, denn Lange Rübe sieht zu komisch aus, wie er dasteht mit dem dummen Gesicht. Also erklärt er kurz, er brauche kein Bett weiter, er sei schon versehen. Lange Rübe entschuldigt sich, setzt die Mütze wieder auf und reibt sich das Bein. Tromba fragt, ob es noch sehr weh tue; Lange Rübe erzählt, daß er mit dem Schienbein gerade auf die scharfe Schwellenkante geschlagen ist, wie er die letzte Stufe nach oben steigt; er hat die Engel im Himmel pfeifen hören.

Tromba geht in die Stube, bringt eine Schnapsflasche mit einem Glas heraus und gießt Lange Rübe ein. Lange Rübe dankt mit einer höflichen Verbeugung, leert das Glas und stellt es Tromba wieder zu. Dann sieht er seine beiden Packen an.

Tromba versteht den Blick. Er gibt Lange Rübe die Weisung, daß er sich auf eine Treppenstufe setzt, dann legt er ihm die beiden Packen auf den Rücken; Lange Rübe erhebt sich, dankt von Herzen und geht die Treppe hinunter auf die Straße, wo ihn sein Freund mit der Droschke erwartet.

Als Frau Tromba wieder in ihr Fremdenzimmer geht, fehlt das Bett. Sie stürzt zu ihrem Mann und erzählt es ihm. Die Vorwürfe, die sie ihm macht, sind berechtigt. Daß die Gauner so frech sind, selbst den Polizeihauptmann zu bestehlen, das muß denn doch an ihm liegen. Bei einem anderen würden sie mehr Furcht haben. Tromba sieht ein, daß er den Zwischenfall mit Lange Rübe nicht erzählen darf, und in seiner Bestürzung weiß er gar nichts zu erwidern, sondern schweigt, indessen die Frau den Übergang zum Weinen macht.

Natürlich kann Tromba jetzt nicht noch einmal Haussuchung halten. Aber er hat auch die Aufsicht über die Gewichte und Wagen in den Kaufmannsläden. Deshalb schießen die Kaufleute zusammen und kaufen ihm ein Bett, und so sind denn nun alle Teile zufriedengestellt.