»Das Bild der allerheiligsten Jungfrau, das ich auf der Brust trage«, antwortete die andere Stimme, »wird mir die Kraft geben.«
»Wie willst du ihm aber so nah kommen?«
»Er besucht jetzt fast täglich spät am Nachmittag seine Tochter, die Gräfin von Provence, die krank sein soll, und kehrt erst in der Dunkelheit zurück.«
»Bei der jetzigen Kälte wird er gut eingemummt sein, und du wirst dein Leben umsonst wagen.«
»Mein Dolch ist lang und scharf.«
»Und wenn er nun auf Wochen hinaus das Trianon nicht verläßt?«
Wie ein greller Blitz schlug das letzte Wort in das Bewußtsein des Kaufmanns. Also ein Mordanschlag auf die geheiligte Person des Königs!
Und ihn also hatte Gott zum Schutzengel des Königs bestellt. Darum hatte er ihn so lange den Schlaf nicht finden lassen.
Nun suchte er ihn schon nicht mehr, obwohl es drüben still geworden war. Die ganze Nacht hindurch überlegte der gute Kaufmann, was er tun könne, um das Komplott unschädlich zu machen. Plan um Plan durchdachte er; und einen nach dem andern verwarf er als unpraktisch oder gar gefährlich. Erst gegen Morgen kam er zu einem Entschluß, fest überzeugt nun, daß dieser Schritt der sicherste sei. Er hatte nämlich beschlossen, sich in aller Frühe zu Herrn von Berryer zu begeben, der als Leutnant des Königs der Pariser Kriminalpolizei vorstand.
Schon kurz nach sieben meldete sich der Kaufmann an der Wohnung des Polizeileutnants. Seine Gnaden, sagte man ihm, sei vor elf Uhr nicht zu sprechen. Aber der Kaufmann ließ sich so leicht nicht abweisen. Er komme in einer dringlichen Sache, die Herrn von Berryer persönlich angehe. Da fragte ihn der Lakai nach Stand und Namen und ließ ihn warten.