In der Seele des schlesischen Schornsteinfegermeisters entstand sofort ein kühner Plan. Er verschaffte sich eine passende Kleiderausrüstung und mischte sich am nächsten Morgen mit der zuversichtlichsten Miene der Welt unter die württembergischen Abgeordneten, ließ sich auch gar nicht dadurch beirren, daß ihn dieser oder jener etwas »befremdet« ansah, sondern »besichtigte« die Luftschiffanlagen und hörte den Erklärungen Zeppelins mit regem Interesse zu. Nachmals, als er in sein schlesisches Heimatstädtchen zurückgekehrt war, zeigte er voller Stolz die Photographien, die in Friedrichshafen aufgenommen worden waren, und auf denen unser Schornsteinfegerlein immer in dichtester Nähe von Zeppelin stand. Auch die illustrierten Zeitschriften haben ihn damals so verewigt.
An dem Tage selbst aber, als die »Führung« beendet war und die gastronomischen Genüsse kamen, die Bewirtung, dachte unser Meister: »Ich tue nichts Halbes; ich bleibe bei der Sache!« Er entwickelte im Schloß, wo ein »zwangloses kaltes Büffet« aufgestellt war, einen glänzenden Appetit; als er sich aber gerade einen Benediktiner zu Gemüte führen wollte, tippte ihn jemand auf die Schulter und fragte ganz leise: »Sie sind wohl ein blinder Passagier?«
Dunnerwetter, erschrak der Schornsteinfeger und begoß sich die Nase! Aber der andere blinzelte ihm beruhigend zu und flüsterte im schönsten Berlinerisch:
»Ick nämlich ooch!«
Diese Geschichte sieht so aus, als ob sie erfunden sei. Aber sie ist buchstäblich wahr. Ich veröffentlichte sie damals. Der Schornsteinfeger war außer sich, obwohl ich seinen und seines Heimatortes Namen natürlich gar nicht genannt hatte. Nun, glaubte er, sei eine hochnotpeinliche Untersuchung und seine Bestrafung außer Frage. Der Brave ängstigte sich umsonst. Es kam eine Postkarte folgenden Inhalts an mich:
»Friedrichshafen, den …
Für die Mitteilung der köstlichen Geschichte von meinem ungebetenen ›schwarzen Gaste‹ danke ich bestens.
Graf Zeppelin.«