Wie hat da der kühne Schornsteinfeger triumphiert! Und ich bin ganz sicher: zu den Deutschen, die heute den Heimgang unseres geliebten Zeppelin im tiefsten Herzen beklagen, gehört sein »ungebetener schwarzer Gast«.


Eine Abelsberger Heiratsgeschichte

Von Peter Rosegger

Die Gallbeißerin zu Abelsberg war mit ihrem ersten Manne bereits fertig geworden, hatte von ihm ein zwei Stock hohes Haus geerbt, und die Kleider. Was kann eine Witwe mit den Kleidern ihres Seligen machen? Sie kann mit den Kleidern ihres Seligen nichts Vernünftigeres machen, als wieder einen Unseligen hineinzustecken. Ihren ersten Gatten hatte sie aus Liebe geheiratet, aus Liebe zu seinem zweistöckigen Hause. Nun ist es aber nicht wahr, was Poeten sagen, nämlich, daß der Mensch nur einmal liebe. Im nachbarlichen Städtchen Neubrunn lebte ein Kaminfeger, der Witwer war und nach einer Frau suchte, die ihm bisweilen den Kopf wasche. Dieser Mann hatte sich ein drei Stock hohes Haus zusammengefegt; die Gallbeißerin liebte ihn.

Der Bäckermeister zu Neubrunn, ein guter Bekannter der Gallbeißerin und Freund des Kaminfegers, übernahm die Vermittlung und drückte seine Freude darüber aus, daß hier zwei Häuser zusammenkämen, die übereinandergestellt fünf Stock gäben! Bald ging die Verlobung vor sich, zu welcher der Kaminfeger mit musterhafter Sorgfalt allen Ruß von seinem Gesichte wusch, um darzutun, daß er noch fein glatt und nicht alt sei; und zu welcher die Gallbeißerin ihr Gesicht mit etwas verdünntem Karmin anstrich, um darzutun, daß sie fein und rot und noch jung sei.

Alsobald nach der Verlobung begannen die Vorbereitungen zur Hochzeit, wozu der brave Bäckermeister zu Neubrunn sein Möglichstes tat. Die Gallbeißerin ließ sich ein den fünf Etagen entsprechendes Brautkleid verfertigen; der Bräutigam aber holte sich aus irgendeinem hohen Schornsteine eine Lungentzündung herab und legte sich damit zu Bette. Mittlerweile war das Brautpaar auf den Kanzeln zu Abelsberg und Neubrunn feierlich verkündet worden; zu Neubrunn nach dem dritten Aufgebote hatten die Kirchenmusikanten sogar mit Trompeten und Pauken einen schallenden »Tusch« aufgeführt, weil der Bräutigam seinerzeit auf dem Chore mitmusiziert hatte. Der Arzt jedoch war der Ansicht, daß die Hochzeit zu verschieben sei, erstens, weil der Bräutigam noch nicht gesund, und zweitens, weil er todkrank wäre. Man stelle sich den Schmerz der Braut vor, als sie solchermaßen das dreistöckige Haus in Gefahr sah. Sie beschwor den Arzt, alles aufzubieten, um zu retten, was zu retten sei, und sie besprach sich mit dem Bäckermeister, ob nicht der Ehevertrag sofort könnte ausgefertigt werden? was der Meister bejahte und ein Übereinkommen auf Gütergemeinschaft sehr befürwortete. Es geschah, aber der Notar, wie solche Leute schon in allem auf das Umständliche und Verwickelte hinausspielen, schrieb unter den Ehevertrag als letzte Klausel: »Dieser Kontrakt tritt mit der kirchlichen Trauung obengenannten Paares in Gültigkeit.«

Der Tag der Trauung war da, der hochzeitliche Festsaal, Küche und Keller waren bereit, aber der Arzt erklärte die Trauung in der Kirche für unmöglich, da eingetretenen Symptomen nach der Bräutigam nur noch wenige Stunden mehr zu leben habe.

»Ist denn nicht ein Stock mehr zu retten?« wimmerte die Braut und sank auf den Lehnstuhl. Bald hernach stürzte sie hin ans Bett und rief: »Mein Geliebter, mein Einziger, ich will dein Weib oder deine Witwe sein. Noch in dieser Stunde soll uns der Pfarrer trauen!« Der Kranke faßte gerührt ihre Hand und dankte für ihre Lieb' und Treue. Aber er wisse nicht, ob er das Opfer annehmen dürfe.