An einem herrlichen Julitage, als selbst in dem muffigen Legationsbureau der Aktenstaub regenbogenfarben auf schrägen Sonnenstrahlen schwebte, schien die angesammelte Elektrizität ihre höchste Spannung erreicht zu haben. Er schritt im Zimmer auf und ab und tobte: »Galeerenarbeit … bestes Feuer verrauchen lassen … Fiduz zu sich selbst zum Teufel … sein gutes Heim aufgeben …«

Sein Attaché, der schüchterne Lynar, sah ihn an wie einen leidenden Titanen.

»Das ist zu viel, sage ich!« – schrie er und riß das Fenster auf. Lynars weißer Pudel, der auf dem Teppich lag, winselte mit, wie leises Weinen …

Da erhob sich Lynar vom Schreibsessel, stellte sich zu ihm an das geöffnete Fenster, wendete seinen Blick fragend hinaus in den kornblumenblauen Sommertag und erinnerte ihn sanft, wie man zu einem Schwerkranken spricht, an den Besuch in Johannisberg, zu dem der greise Fürst Metternich schon wiederholt seine Einladung geschickt hatte.

Fürst Metternich! Der unlängst aus der englischen Verbannung Heimgekehrte! … Der als erste Stätte auf dem wiedergewonnenen Heimatboden sein altes Geburtshaus am Rhein aufsuchte! … Der Treue, der auch in den Tagen seines höchsten Glanzes nicht an Koblenz vorübergefahren, ohne sich den Metternicher Hof bis zum letzten Dachwinkel aufschließen zu lassen – das Boudoir seiner Mutter … die kleinen Stuben, wo er mit dem Hofmeister gehaust …

Er mußte an Schönhausen denken …

Das war sein Mann! Keine von jenen verknöcherten Exzellenzen, die hier ordenbehangen um ihn herstelzten … Ein Romantiker war er – auf seinem Schloß, das von dem sonnigsten Rebenhang des Rheins herabglühte …

Auf! Fort von Bureaukratie und Aktenstaub – zur Urmutter Natur, wo wilde Sonne brennt und die Woge das Ufer peitscht …

Der Pudel sprang auf und wedelte und merkte, daß es ging.

Es war eine eigentümliche Fahrt. Das zarte Delfter Blau, in dem sich die Sättel der waldigen Taunuskette neben dem Reisewagen mitwiegten, verwischte sich bald hinter der Weißglut geladener Dünste. Aschenschwarze Wolken schoben sich scharfgerändert aus der Wetterecke des Gebirges vor und verschatteten die hohen, goldenen Ährenfelder, in denen ein schlaffer Wind wühlte. Stickige Schwüle stieg aus dem Staub, nur selten von einer fernen Welle des trockenen Heues durchduftet, das die Bäuerinnen überall noch eilig auf die Leiterwagen gabelten. Dicht über dem Wasserspiegel jagten die Schwalben und netzten sich die weiße Brust in der Flut. Und General von Rochow, der sich der Fahrt ebenfalls angeschlossen, hatte abwechselnd das schwimmende Mützenleder zu wischen und gegen die Schnaken zu fechten. Doch das Gewitter entlud sich nicht.