Aber nur die murmelnden Wogen, die der Wiegengesang des Lebens sind, vernahmen, wie es ihn, reingebadet von Druck und Zweifel, betend erfüllte: In sein Wirken hineinzutragen und nie zu verlieren, was er, in der lichten Dunkelheit schwimmend, in weiten Armen hielt! Mit den Füßen im Bodenlosen schwebend auch am Tische des Rates! Aus der Urtiefe des Elementes das Wort hinaufzurufen und die Tat zu schwingen – die wilde Woge im Blut und Sternengüte, Ruinenschweigen und Donner der Gegenwart, Felsenfinster und streichelnden Wind! Und das Segel des Staatsschiffes zu bewegen mit dem Sturmodem des ganzen Weltzaubers, der allein an die Küsten des Lebens bläst! …

Als er ans Ufer stieg, saß der weiße Pudel, der den Weg zu dem leeren Nachen gefunden, auf seinen Kleidern und erkannte ihn erst, als der Riese sich wieder in der Maske des bürgerlichen Rockes verborgen hatte und, während das Flämmchen der fernen Lichtboje auf den Wassern tanzte, schweigend im Dunkel neben ihm schritt.


Ein Anekdotenkreis aus dem Kriege

Sechs bayrische Reiter

Von Emil Lucka

Am dritten September, an einem sonnigen Vormittag hat sich's zugetragen, daß fünf schwere bayrische Kürassiere, ein Gefreiter voran, das waldige Vogesental von Stoßweiler hinauf gegen die Grenze geritten sind, um ein bißchen nach Franzosen oder anderem schlechtem Volk, das an dem Ort nichts zu suchen hat, Ausschau zu halten. Weil ihnen die Zeit lang wird, fangen sie an zu jodeln und zu juchezen, aber die Pferde spitzen plötzlich die Ohren, und der Gefreite Jagenteufel schreit: »Maul halten!« Richtig kommt ein Zug Franzosen den Weg daher, vielleicht sechzig oder siebzig Leute, jeder sein Gewehr über der Schulter.

»Drauf!« schreit der bayrische General und zieht sein breites Schlachtschwert, hinter ihm das Heer. Und sie stimmen ein solches Kampfgeschrei an, daß die Franzosen glauben, die ganze deutsche Armee wäre schon da, und werfen ihre Gewehre ins Gras. Der Leutnant, der sie führt, ein feines Bürschel ohne Bart, tritt vor den Jagenteufel und bietet ihm mit einer guten Verbeugung seinen Degen an, den der Jagenteufel nimmt. Und weil er nicht weiß, was er damit anfangen soll, stößt er ihn in einen alten Baum hinein, daß das Federmesser gleich abbricht. Dann brüllt er die Franzosen an: »Vorwärts!« – und sie gehen ganz folgsam ihren Weg weiter, aber ohne Gewehre und von fünf bayrischen schweren Reitern flankiert und hinter einem Gefreiten her anstatt wie bisher hinter einem Leutnant. Und sie schämen sich, weil sie geglaubt haben, es wär die ganze deutsche Armee, nicht nur sechs Mann.