Geboren am 15. April 1878 zu Biel in der Schweiz. – Gedichte 1908.
Morgenstern.
Ich mache das Fenster auf,
Es ist dunkle Morgenhelle.
Das Schneien hörte schon auf,
Ein großer Stern ist an seiner Stelle.
Der Stern, der Stern
Ist wunderbar schön.
Weiß von Schnee ist die Fern',
Weiß von Schnee alle Höhn.
Heilige, frische
Morgenruh' in der Welt.
Jeder Laut deutlich fällt;
Die Dächer glänzen wie Kindertische.
So still und weiß:
Eine große, schöne Einöde,
Deren kalte Stille jede
Äußerung stört; in mir brennt's heiß.
Langezeit.
Ich tu' mir Zwang,
Zu scherzen und lachen,
Was soll ich machen,
Die Zeit ist lang.
Gewohnten Gang
Im müden Herzen
Gehn alte Schmerzen,
Die Zeit ist lang.
Ich muß den Hang
Zu weinen bezwingen,
Nebst andern Dingen,
Die Zeit ist lang.