Ich wollte dich mit Rosen überschütten,
Mit roten Rosen dein goldbraunes Haar
Und deines Mieders Knospenrundung schmücken …
Als noch der Lenz mit süßem Veilchenodem,
Ein milder Sieger, durch die Lande schritt,
Sprach ich zu dir: Geliebte! Hat sein Mund
Mit letztem heißem Abschiedskuß die Rose,
Die rote Sommerrose, aufgebrochen,
Dann will ich zu dir kommen und mit Rosen,
Mit roten Rosen deine Schönheit krönen …
Nun kam der Sommer … Und der Rosen Fülle
Seh' ich allorts und alle Stunden blühn …
Die ganze Welt scheint ihrer Macht verfallen,
Und ihre Keusche wirbt Vasallen um Vasallen …
Selbst einen Bettler sah ich heute lächeln,
Als sein vertränter Blick von ungefähr
Auf einen Korb mit roten Rosen fiel …
Ich kauf' sie in der ganzen Stadt zusammen
Und schütte sie auf tote Liebesflammen …
– – – Nun schmückt ein andrer wohl dein Knospenmieder,
Und morgen wohl begegne ich euch beiden …
Ich blick' euch lächelnd nach …
Und denke ganz aus Zufall
Bei der Gelegenheit an einen Frühlingstag,
Da wir uns sahn … Am Abend dann
Schlug uns die Nachtigall in ihren Bann,
Umduftete uns süß der Flieder …
Wir aber liebten uns …
– – –
Lenz.
Wie ich mich auf den Frühling freue!
Wie mir das Alte und doch so Neue
Schon im tiefsten Winter die Seele bewegt!
Noch ist's erst Weihnacht! Noch atmet der Winter
Aus vollen Lungen!
Und doch ist's mir, als ob schon dahinter
Sehnsuchtsbezwungen
Leise, ganz leise der Lenz sich regt …
Mein Blick, nun weide dich …
Mein Blick, nun weide dich zum letztenmal
An dieses Frühlings satter Blütenfülle!
Voll Inbrunst sauge dieser Sonne Strahl –
Mein Herz, sei stille! …
Erschweig bewundernd vor dem Werdedrang!
Was dich erfüllt, den Winden gib's zum Raube! …
Ob dir der Hoffnung goldnes Sieb zersprang –
Dir blieb der Glaube! …