Mit metallhartem Rotgelb
Hat sich des Himmels
Westliche Wölbung beflammt.

Mein Auge starrt staunend
In die leuchtende Blende,
Die wachsend fortglüht,
Als sei nimmer ihr Ende
Die lichtlose Nacht …

Da streift die brennende
Lichtwand ein Fittich –
Der nachtschwarze Fittich
Eines Dämmerungsvogels …
Eine kleine Spanne –
Und die Weite verschlang ihn.

Also trägt auch der Mensch
Mit schwankem Fittich
Sein zwielichtbefangenes Sein
Vorüber an der stetig leuchtenden
Kristallwand der Ewigkeit …

Er huscht dahin
Ein Traum – ein Wahn –
Auf schmaler Bahn –
So bald – so bald
Raubt seiner Gestalt
Schattengefüge
Des Nichtseins
Farblose Wahrheitslüge.

Aber im Fluge –
Im Vorüberfluge –
Ahnt er das Rätsel
Der stetig und still
In sattem Glanze
Fortdauernden Ewigkeit …


Theodor Däubler.

Geboren am 17. August 1876 zu Triest. – Das Nordlicht 1910. Der sternhelle Weg 1915. Hymne an Italien 1916. Das Sternenkind 1917.

Weg.