Von dem zurzeit hier anwesenden früheren Mutessarrif von Mardin wird mir folgendes mitgeteilt:

Der Wali von Diarbekr, Reschid Bey, wüte wie ein toller Bluthund unter der Christenheit seines Wilajets; vor kurzem habe er auch in Mardin 700 Christen (meistens Armenier), darunter den armenischen Bischof, in einer Nacht durch Gendarmerie, die dazu aus Diarbekr entsandt wurde, sammeln und in der Nähe der Stadt wie Hammel abschlachten lassen. Reschid Bey fahre fort in seiner Blutarbeit unter den Unschuldigen, deren Zahl heute über zweitausend betrage.

Ergreift die Regierung nicht sofort ganz energische Maßnahmen gegen Reschid Bey, so wird die muselmanische niedere Bevölkerung des hiesigen Wilajets gleichfalls Christenmetzeleien beginnen. Die Lage wird hier von Tag zu Tag drohender.

Die Regierung sollte Reschid Bey sofort abberufen und damit dokumentieren, daß sie seine Schandtaten nicht billigt, das würde die allgemeine Erregung hier beschwichtigen[72].

Holstein.

111.

(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Pera, den 11. Juli 1915.