An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Hier sind bisher rund sechshundert Frauen und Kinder (armenische, chaldäische, syrische) eingetroffen, deren männliche Verwandte in Soert, Mardin und Feihschahbur massakriert worden sind; ebenso viele werden in den nächsten Tagen erwartet.
Das Elend dieser Menschen ist nicht zu beschreiben, ihre Kleider verfaulen ihnen am Leibe; täglich sterben Frauen und Kinder Hungers.
Mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln kann die hiesige Regierung kaum Brot für diese Elenden kaufen.
Um weitere Menschenleben zu retten, war sofortige Hilfe nötig, namentlich Anschaffung von Kleidung.
Überzeugt, im Sinne der Kaiserlichen Regierung zu handeln, und da sofortige Hilfe ein Gebot der Menschlichkeit war, habe ich namens der Kaiserlichen Regierung gestern der hiesigen Regierung 300 Ltq. zur Verfügung gestellt; hiervon wird Brot, Kleidung und Schuhe für den dringendsten Bedarf angeschafft.
Holstein.
119.
Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 21. Juli 1915.