„Von verschiedenen Seiten wird mir mitgeteilt, daß meine ernsten Ermahnungen auf die türkischen Machthaber doch Eindruck gemacht zu haben scheinen.“
Erst am 22. Dezember bequemte sich die Pforte dazu, auf die Noten der Deutschen Botschaft vom 5. Juli, 9. August, 13. September und 16. November eine Antwort zu erteilen.
Note der Pforte vom 22. Dezember.
In dieser „erstmaligen schriftlichen Äußerung der Pforte auf die deutschen Noten bezüglich der armenischen Angelegenheiten“ versteift sie sich auf denselben Grundsatz, den sie bei allen mündlichen Besprechungen betont hatte: daß keine „fremde“ Macht, auch der deutsche Bundesgenosse nicht, sich in die inneren Angelegenheiten der Türkei zu mischen habe.
„An erster Stelle ist zu bemerken“, führt die Note aus, „daß die Maßregeln, die hinsichtlich der armenischen Bevölkerung des Reiches getroffen wurden, in die Domäne von Akten der inneren Verwaltung des Landes gehören; sie können daher nur in dem Falle Gegenstand diplomatischer Schritte sein, wenn sie unvermeidlich fremde Interessen, die dabei engagiert sind, berühren. In der Tat, es ist unbestreitbar, daß jedes Staatswesen das Recht hat, Maßregeln zu ergreifen, die geeignet sind, eine Umsturzbewegung, die auf ihrem Gebiete propagiert wird, einzudämmen, besonders wenn diese Bewegung in die Kriegszeit fällt.“
Mit dieser grundsätzlichen Erklärung und der weiteren Behauptung, daß alle fraglichen Maßnahmen durch „militärische Gründe diktiert seien und ein legitimes Mittel der Verteidigung bilden“, wird die Einmischung der Botschaft in die Armenische Frage ohne irgendwelche Zugeständnisse als unberechtigt abgewiesen.
Der brüske Ton, an dem Maßstab sonstiger türkischer Höflichkeit gemessen, ist bemerkenswert.
III. Das Schicksal der Deportierten.
Die Versicherung Talaat Beys, daß „augenblicklich nirgends mehr Abtransporte stattfänden“, war allzu wörtlich gemeint. Nicht Deportation — denn es war fast nichts mehr zu deportieren — sondern systematische Vernichtung der Deportierten durch Aushungerung unter Nachhilfe von gelegentlichen Massakers sollte jetzt das angefangene Werk vollenden[12].