Berlin, den 1. September 1915.

An Deutsche Botschaft, Pera.

In Mamaret ul Aziz, Marasch und Harunije sind nach Mitteilung des deutschen Hilfsbundes seine Anstalten infolge der Armenierverfolgung gefährdet. Bitte dafür einzutreten, daß die Waisenkinder aus deutschen Anstalten nicht entfernt werden.

Zimmermann.

160.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 4. September 1915.

Talaat Bey übergab mir am 2. d. M. die in Abschrift beigefügte deutsche Übersetzung von verschiedenen telegraphischen Befehlen, die er in Sachen der Armenierverfolgungen an die in Betracht kommenden Provinzialbehörden gerichtet hat. Er wollte hiermit den Beweis liefern, daß die Zentralregierung ernstlich bemüht ist, den im Innern vorgekommenen Ausschreitungen gegen die Armenier ein Ende zu machen und für die Verpflegung der Ausgewiesenen auf dem Transporte Sorge zu tragen. Mit Bezug hierauf hatte Talaat Bey einige Tage vorher mir gegenüber die Äußerung getan: La question arménienne n’existe plus.

Die erste und die dritte Depesche tragen kein Datum; erstere dürfte am 31. August abgegangen sein.[89]

Indem ich mir weitere Berichterstattung vorbehalte, darf ich bemerken, daß nach einem Telegramm des Kaiserlichen Konsulats in Trapezunt dort noch in den letzten Tagen des August eine Anzahl bisher verschonter Armenier (darunter Beamte der Ottomanbank, der Regie und Frauen) nachts abgeschoben wurden und in der Nähe der Stadt umgebracht sein sollen. Ebenso wird vom hiesigen armenisch-katholischen Patriarchat auf Grund der Aussagen von Reisenden berichtet, daß die Armenier von Angora (hauptsächlich Katholiken), darunter der katholische Erzbischof mit seinem Klerus und mehreren Ordensschwestern am 30. August von Angora abgeschoben und in einiger Entfernung sämtlich getötet worden seien.