Kaiserlich
Deutsche Botschaft.
Pera, den 11. September 1915.
Der Kaiserliche Konsulatsverweser Holstein telegraphiert unter dem 9. d. M. aus Mossul, daß nach den von anderer Seite bestätigten Angaben türkischer Truppen, die auf dem Marsche von Djezireh nach Bagdad durch Mossul kamen, etwa eine Woche vorher Banden von Kurden, die zu diesem Zwecke von dem Deputierten von Diarbekir angeworben waren, unter Duldung der Ortsbehörden und Teilnahme des Militärs die gesamte christliche Einwohnerschaft der Stadt Djezire (Wilajet Diarbekr) niedergemetzelt haben.
Die Bevölkerung von Djezireh wurde im Jahre 1891 auf etwa 10000 Seelen geschätzt, von denen die Hälfte Muhammedaner (darunter über 2000 Kurden); die andere Hälfte setzte sich zusammen aus 4750 Armeniern (2500 Gregorianern, 1250 Katholiken, 1000 Protestanten), 250 katholischen Chaldäern und 100 syrischen Jakobiten.
Dieser Vorfall sowie die bereits gemeldeten Vorfälle in Trapezunt und Angora stehen in offenem Widerspruch mit den kürzlich vom Ministerium des Innern erlassenen Weisungen, die hoffen ließen, daß die Armenierverfolgungen und die damit im Zusammenhange stehenden Ausschreitungen nunmehr aufhören würden.
Hohenlohe.
Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.
168.
(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)