Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 18. Oktober 1915.
Ankunft in Pera, den 19. Oktober 1915.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.
Gestern wurde Räumung der Stadt von verschickten Armeniern (20000) binnen 14 Tagen angeordnet. Einstweilen Sammlung in Konzentrationslagern außerhalb der Stadt. Südlich Taurus soll Eisenbahn nicht mehr zur Verschickung benutzt werden. Familien ohne eigene Fuhrmittel werden zu Fuß abtransportiert. Jede Familie soll ein Kamel für Gepäck erhalten, welches aber notgedrungen oftmals zurückbleibt. Nach Angabe des Direktors der politischen Angelegenheiten des Wilajets sind bei Radju und Katma 40000 konzentriert. Weitere Scharen aus West-Mittel-Nord-Anatolien im Anzug. Zur „Ansiedelung“ nach Süden (westlicher Hauran, Rakka, Der-es-Zor) weitergesandt 300000. Diese werden nach genanntem Beamten am Ziel notgedrungen sich selbst überlassen und „werden alle sterben“; die Regierung hätte „vielleicht“ im Frieden Ansiedlung fertiggebracht, obwohl Ansiedlung von Muhammedanern vielfach ebenso gescheitert, habe aber jetzt weder Geld noch Beamte. Jedenfalls fehlt zur Ansiedlung alles und jedes, für Konzentrationslager werden weder Zelte noch ausreichendes Mehl, noch Brennmaterialien geliefert; verschickten Bauern sind von Behörde selbst Hacken, Spaten abgenommen. Allgemeine Überzeugung, daß sämtliche Verschickte dem Tode verfallen. Einverständnis Deutschlands mit diesem Massenmord wird übrigens nicht nur von gesamten Christen, sondern, teils billigend, teils aber auch mißbilligend, von muhammedanischer Bevölkerung des Landes angenommen.
Hoffmann.
186.
(Kaiserliches
Konsulat Aleppo.)
Telegramm.
Abgang aus Aleppo, den 18. Oktober 1915.
Ankunft in Pera, den 19. Oktober 1915.
An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.