Die Kaiserlich Türkische Botschaft teilt mit: In der Nacht vom 16. September haben armenische Banden einen Aufruhr veranstaltet. Sie hatten sich in starken Gebäuden auf den beherrschenden Punkten der Stadt Urfa verschanzt und eröffneten das Feuer gegen unsere Gendarmeriepatrouillen, von denen zwei Mann getötet und acht verwundet wurden. Unsere Gendarmerie wurde überall mit Feuer empfangen. Nachdem die Armenier sich der fremden Niederlassungen bemächtigt und deren Besitzer mit Gewalt zurückgehalten hatten, stellten sie dort Schießscharten her. Da diese Tatsachen bewiesen, daß die aufrührerischen Banden entschlossen waren, bewaffneten Widerstand zu leisten und die Unzulänglichkeit der in geringer Zahl vorhandenen Gendarmerie auzunützen, und da sie sich schließlich der Stadtteile der Muselmanen bemächtigt hatten und die Einwohner niederzumetzeln begannen, wurden einige für die Front bestimmte Truppen nach Urfa abgeschickt. Die Schlupfwinkel der Banden wurden zerstört, und der Aufruhr war am 3. Oktober unterdrückt. Die Zahl der bei diesem Vorfall getöteten Soldaten und Gendarmen beträgt 20, die der Verwundeten 50.

Der Zweck, den die Banden mit ihrem Aufruhr verfolgten, war einerseits der, Schaden anzurichten, fremde Niederlassungen zu zerstören und Untertanen der mit der Türkei im Kriege befindlichen Staaten zu töten, um die Folgen dieser Morde dann auf die Türken abzuwälzen, andererseits wollten sie einen Teil der Kaiserlichen Truppen an ihre befestigten Schlupfwinkel fesseln und sie so vom Kriegsschauplatz abziehen.

Dank den kräftigen und schnellen Maßnahmen der Kaiserlichen Behörden hatte der Aufruhr nicht den erwünschten Erfolg. Er wurde unterdrückt, ohne daß einem Untertanen der mit der Türkei im Kriege befindlichen Länder oder einem Neutralen Schaden zugefügt worden ist.

203.

Kaiserlich
Deutsches Konsulat.

Aleppo, den 16. November 1915.

Euerer Exzellenz überreiche ich gehorsamst in der Anlage den Bericht eines Deutschen, den ich kürzlich aus dienstlichem, mit der Armenierfrage in keinerlei Zusammenhang stehenden Anlaß nach Der-es-Zor zu entsenden hatte, über das Geschick der auf dem Wege dorthin wandernden oder am Ziel angelangten Armenier. Es sind Beobachtungen, die sich unterwegs aufgedrängt haben.

Oberstabsarzt Dr. Schacht, der auf dem Wege von hier nach Bagdad den Flußweg gewählt hat, schrieb mir am 3. November aus Der-es-Zor: „Ich habe unterwegs viel Böses gesehen. Es ist schon wahr, was man erzählt hat.“

Die zu Lande nach Bagdad führende Etappenstraße von Aleppo nach Der-es-Zor ist durch Flecktyphus verseucht. Und das Gleiche muß wohl auch vom Wasserweg gelten.