Zimmermann.
Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter
Herrn Grafen Wolff-Metternich, Konstantinopel.
Anlage.
Deutscher Hilfsbund
für christliches Liebeswerk im Orient.
Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1915.
An Seine Exzellenz den Herrn Reichskanzler von Bethmann Hollweg, Berlin.
Euere Exzellenz gestattet sich der ergebenst Unterzeichnete auf eine vertrauliche Verfügung der Kaiserlich Ottomanischen Regierung aufmerksam zu machen, nach der die türkischen Lokalbehörden im Innern des Landes angewiesen sind, den Überrest des armenischen Volkes dahin zu bringen, einen Revers zu unterzeichnen, in dem sie um die besondere Gnade bitten, zur heiligen Religion des Islam übertreten zu dürfen. Sich Weigernde sollen abtransportiert werden. Eine Anzahl armenischer Frauen sind bereits zum Islam übergetreten, um sich vor dem Hungertod zu retten.
Wie vor 20 Jahren hervorragende Armenier gezwungen wurden, eine Erklärung zu unterschreiben, daß sie in jeder Weise mit den Maßnahmen der türkischen Regierung zufrieden gewesen seien und daß alle im Auslande verbreiteten Nachrichten über Massakres usw. nicht den Tatsachen entsprächen, ebenso wird es den Machthabern im Innern auch ein leichtes sein, nach außen hin den Schein der „Freiwilligkeit“ für die zum Islam Übergetretenen zu wahren.
Nach der Antwort, die der Herr Reichskanzler den Vertretern der evangelischen Kreise Deutschlands unter dem 12. November 1915 gegeben hat, hoffe ich mit Bestimmtheit, daß Euere Exzellenz die Kaiserlich Deutsche Botschaft in Konstantinopel mit entsprechenden Weisungen versehen und vor allen Dingen darauf hinwirken wird, daß eine Täuschung unserer Behörde unmöglich gemacht werde.
Der Wali von Mamuret-ul-Azis hatte dem Leiter unserer Station, Herrn Prediger Ehmann, für alle Armenier vollkommene Straflosigkeit versprochen für den Fall, daß es ihm gelänge, die Armenier der dortigen Gegend zu veranlassen, alle Waffen, die sich in ihrem Besitz befänden, abzuliefern. Herr Ehmann unterzog sich diesem Auftrag, und nichtsdestoweniger wurde auch die dortige Bevölkerung niedergemacht oder verbannt. In den Augen der Armenier hat unsere Arbeit dadurch sehr an Ansehen eingebüßt.