Aufzeichnung.
Pera, 21. Dezember 1915.
Gewaltsame Islamisierung der Armenier in Anatolien.
Sie begann in größerem Umfange und wurde systematisch betrieben in der Provinz Trapezunt.
Der Vizekonsul Kuckhoff (Samsun) berichtete darüber ausführlich zu Anfang Juli d. J.[113]
Er schreibt u. a.:
„Es handelt sich um nichts weniger als um die Vernichtung oder gewaltsame Islamisierung eines ganzen Volkes. Die Regierung entsandte strenggläubige fanatische muhammedanische Männer und Frauen in alle armenischen Häuser behufs Propaganda für den Übertritt zum Islam, unter Androhung der schlimmsten Folgen für diejenigen, die ihrem Glauben treu bleiben. Bis heute sind hier schon viele Familien übergetreten, und ihre Zahl vermehrt sich täglich. Die Mehrzahl widerstand bisher den Lockungen und wurde täglich gruppenweise ins Innere getrieben. Wie ich erfahre, werden sie an nicht entfernten Orten zurückgehalten, um noch gründlicher für den Islam bearbeitet zu werden. In der Umgegend von Samsun sind alle armenischen Dörfer muhammedanisch geworden, ebenso in Unieh. Vergünstigungen werden, außer den Renegaten, niemand zuteil.“
Über Übertritte in Erzerum und Trapezunt vgl. Berichte von dort[114].
Anfang August berichtete ein muhammedanischer Reisender aus jenen Gegenden, daß in Unieh, Samsun, Ineboli usw. die Armenier massenhaft zum Islam übergetreten seien; trotzdem seien manche von ihnen hinterher deportiert worden. In Termeh war der armenische Priester Muhammedaner geworden und die Kirche in eine Moschee verwandelt worden.