Was die Fürsorge für die in den Konzentrationslagern in Anatolien (z. B. in Eskischehir, Konia, Eregli, Aleppo) und sonst angesammelten Armenier betrifft, so halte ich die Anregung des Dr. Straubinger für unausführbar, da die Pforte jeder Hilfeleistung von auswärts und sogar von seiten der beteiligten Patriarchate die größten Schwierigkeiten in den Weg legt. Eine solche Aktion würde voraussichtlich das Zeichen dazu geben, daß die Pforte diejenigen Armenier, die durch Zufall oder infolge Duldung seitens der Lokalbehörden in Anatolien verblieben sind, nach Mesopotamien oder Syrien abschiebt.

Ebenso halte ich es für ausgeschlossen, daß die Verschickten je wieder in den Besitz ihres von der Regierung beschlagnahmten Eigentums gelangen. In einem Spezialfalle wurde auf dem Ministerium des Innern erklärt: Die Rückkehr der betreffenden Individuen in ihre Heimat sei unzulässig, weil sie dort ihr Eigentum nicht mehr vorfänden, von dem inzwischen die Liquidationskommission Besitz ergriffen habe.

Metternich.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.

220.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 31. Dezember 1915.

Notiz.

Amerikanischer Botschafter sagte mir heute, daß 4000 protestantische und katholische Armenier in Aintab bedroht seien und die Abtransportierungen begonnen hätten. Wer nicht Muslim werde, werde verschickt. Talaat Bey habe ihm seinerzeit versprochen, die Protestanten und Katholiken in Ruhe zu lassen. Mir ebenfalls.

Metternich.