Anlage.

Rjetsch Nr. 70 vom 25. März 1916.

Miljukow in der Reichsduma über die armenische Frage.

Leider sind Anzeichen vorhanden, die dafür sprechen, daß sich auch hier wiederum Dinge wiederholen können, die die traurige Erinnerung an die galizische Epopöe wachrufen. Diese Anzeichen treten bereits in die Erscheinung: es ist das viel zu leichtfertige Verhalten zu dem von den Einwohnern hinterlassenen Besitz, welcher aus irgend welchen Gründen als Staatseigentum erklärt wurde (Stimme von links: „Januschkewitsch“)... Ja, das ist Januschkewitsch, das ist die Politik Januschkewitschs — das ungleichmäßige Verhalten zu den Völkerschaften. Wir sind geneigt, die Kurden, diese unverbesserlichen Nomaden, zu unterstützen, und bemühen uns sogar, Ackerbauer aus ihnen zu machen — auf Kosten ihrer alten Opfer — der Armenier. Vor noch nicht langer Zeit nahm der Kurde dem Armenier Land fort, entführte ihm Weib und Tochter, beraubte und erschlug ihn, aber jetzt wird diesem Feinde von gestern aufgewartet, wie einem Freunde, und es wird ihm sichtlich der Vorzug vor dem alten Freunde, dem Armenier, gegeben. Erinnern wir uns, meine Herren, der Worte Doumergues an die Adresse der Armenier: Mögen die Opfer der Toten den Lebenden angerechnet werden. Wir wollen nicht die Früchte der Plünderung und des Landraubs sanktionieren — was nur auf dem Boden der alten Türkei möglich war. Aber noch weniger dürfen wir an eine Umwandlung des angestammten armenischen Landes in irgend ein Territorium eines Neu-Euphratischen Kosakentums denken. Setzen wir nicht die Arbeit der Türken fort! Entsagen wir wenigstens hier im feierlichen Moment der Wiederherstellung des verletzten Rechtes und der Gerechtigkeit — den engen Plänen des nationalistischen Egoismus.

267.

Berlin, den 27. Mai 1916.

Euerer Exzellenz gestatte ich mir nachstehendes über erneut einsetzende Verfolgungen der Christen im Orient zu unterbreiten.

Von zwei absolut sicheren Vertrauensmännern, von denen der eine gestern mit dem Balkanzug aus Konstantinopel hier eingetroffen ist, erfahre ich folgendes:

„Von Angora kommen böse Nachrichten. Die Polizei verbot dem dortigen deutschen katholischen Geistlichen jeden Beistand an katholische Armenier, auch an Sterbende. Die Frauen, durch die man Almosen verteilen ließ, wurden eingesperrt. Sodann ist der Generalvikar des griechisch-katholischen Bischofs von Beirut in Angora eingetroffen und wird von dort weiter deportiert.“

Nachdem bisher die türkische Regierung auf das Bestimmteste zugesagt hat, daß gegen die ruhigen Armenier und die Christen in Syrien nichts unternommen werden soll, jetzt aber mit solchen Zwangsmaßregeln vorgeht, würde ich Euere Exzellenz sehr dankbar sein, wenn Euere Exzellenz die Güte hätten, die türkische Regierung erneut darauf hinweisen zu lassen, wie sehr die Dauerhaftigkeit des Bündnisses mit Deutschland erschwert wird, wenn solch ungesetzliches Verhalten ohne jeden Anlaß fortgesetzt wird; denn weder in Aleppo noch in Syrien kann es sich um Strafen gegen aufrührerische Elemente handeln.