Lassen wir die Dokumente selbst sprechen. Einer weiteren Erörterung bedarf es dann nicht.

Schon im April 1915 bedauert der Wali von Aleppo, Djelal Bey, „daß bei der türkischen Regierung eine Strömung die Oberhand gewonnen zu haben scheine, welche die Armenier im ganzen als verdächtig oder gar als feindlich anzusehen geneigt sei. Er betrachte diese Wendung als ein Unglück für sein Vaterland und bittet dem Botschafter anheimzustellen, dieser Richtung entgegenzuarbeiten.“

Die deutschen Konsuln urteilen:

„Die Regierung scheint auf dem mittelalterlichen Standpunkt zu verharren, daß für die Tat eines einzelnen oder einiger weniger Solidarhaft eines ganzen Volkes besteht. Denn ihre Maßregeln gehen auf Vernichtung der Armenier[27] in ganzen Bezirken hinaus. Alle Armenier von Besitz, Bildung oder Einfluß sollen beseitigt werden, damit nur eine führerlose Herde zurückbleibe“ (Rößler, 10. Mai 1915).

„Wir werden bald überall den hellsten Aufruhr haben, wenn die Zentralregierung ihr Programm der Christenverfolgung nicht ändert“ (Holstein, 13. Juni 1915).

„Das Zentralkomitee scheint auf diese Weise der armenischen Frage endgültig ein Ende machen zu wollen“ (Bergfeld, 9. Juli 1915).

„Es handelt sich um nichts weniger als um die Vernichtung oder gewaltsame Islamisierung eines ganzen Volkes“ (Kuckhoff, 4. Juli 1915).

„Meine bisherige Berichterstattung dürfte dargetan haben..., daß die Ausdehnung der Anordnungen der türkischen Regierung, deren Durchführung sie in der härtesten und schroffsten Weise den Behörden zur Pflicht gemacht hat, auch gegen Frauen und Kinder, bewußt den Untergang möglichst großer Teile des armenischen Volkes mit Mitteln herbeizuführen bestrebt ist, welche dem Altertum entlehnt sind. Sie hat, wie wohl kein Zweifel sein kann, die Gelegenheit, da sie sich im Kriege mit dem Vierverband befindet, dazu benutzen wollen, um sich der armenischen Frage für die Zukunft zu entledigen, dadurch, daß sie möglichst wenige geschlossene armenische Gemeinden übrig läßt“ (Rößler, 27. Juli 1915).

„Von den Anhängern letzterer (der schroffen Richtung des jungtürkischen Komitees) wird übrigens unumwunden zugegeben, daß das Endziel ihres Vorgehens gegen die Armenier die gänzliche Ausrottung derselben in der Türkei ist. „Nach dem Kriege werden wir keine Armenier mehr in der Türkei haben“, ist der wörtliche Ausspruch einer maßgebenden Persönlichkeit“ (von Scheubner-Richter, 28. Juli 1915.)

„Die Berichte (über den Zustand in den Deportiertenlagern) gewähren einen Einblick in die bewußte und gewollte Vernichtung der Verschickten durch türkische Regierungsorgane.“ (Rößler, 3. Januar 1916.)